Mein Wahlprogramm

Während ich mich schon mal auf meine zweifellos sehr anstrengende Parlamentsarbeit vorbereite, muss ich mir eingestehen, dass es noch nicht so richtig klar ist, wie ich an die zweihundert Unterschriften aus meinem Wahlkreis kommen soll. Vielleicht sollte ich mir doch einen anderen Wahlkreis suchen. Meiner ist bei großer Fläche doch recht dünn besiedelt. In Pankow gibt es zum Beispiel mehr als doppelt so viele Wähler in einem viel kleineren Gebiet. Wenn ich mich an der Schönhauser Allee vor die U-Bahn stelle, habe ich die zweihundert Unterschriften in einer Woche zusammen. Wenn ich dann so auf den neuen Wahlzettel komme, bleibt es trotzdem extrem unwahrscheinlich, dass ich an allen vorbeiziehe und das Direktmandat in Pankow erringe. Es ist sogar unwahrscheinlich, dass ich wenigstens zehn Prozent kriege. Wenn ich dann unbezahlten Urlaub genommen und Plakate gedruckt habe, bekomme ich keinen Cent erstattet. So wird das also nichts.

Was sollte ich auch ausrichten, ganz allein im Deutschen Bundestag? Ich würde versuchen, meine Abgeordneten-Kolleginnen und Kollegen vom bedingungslosen Grundeinkommen zu überzeugen. Das wird schwierig werden, denn die Berufsparlamentarier brauchen das natürlich nicht. Als Fraktionsloser hätte ich auch ein paar Nachteile, zum Beispiel in Ausschüssen kein Stimmrecht, aber ich würde nicht in eine Fraktion eintreten. Das habe ich meinen Wählern versprochen, dafür haben sie mich gewählt. Stattdessen würde ich dafür eintreten, dass das Wahlgesetz dahingehend geändert wird, dass eine gerichtlich bestellte Betreuung für die Wahlberechtigung keine Rolle mehr spielt.

Das wäre dann schon in den Grundzügen mein Wahlprogramm. In den nächsten vier Jahren bis 2021 hätte ich Zeit, es auswendig zu lernen und mir den vielversprechendsten Wahlkreis auszusuchen. Gleichzeitig geht es natürlich darum, schon mal genügend Wähler zu mobilisieren. Jawohl, nach der Wahl ist vor der Wahl. Der Kampf geht weiter. Er hat neu begonnen. Ich habe mich auch schon entschieden, auf Plakate zu verzichten. Ich will diesmal allein durch meine Bekanntheit und Popularität überzeugen. Die Unterschriften werde ich online über meine Website einsammeln: Wer mich unterstützen will trägt seine Adresse in eine Liste ein. Der Wahlkreis, aus dem zuerst zweihundert Adressen stehen, gewinnt! Wenn ich dann gewählt bin, können sie sich im Bundestag schon mal warm anziehen, denn im Kern geht es natürlich darum, den Berufspolitikern die Sessel zu besetzen und dann müssen sie in die Produktion. Oder meinetwegen in die Pflege.

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Was wir verdienen

Aus irgendeinem Grund tun jetzt alle so, als ob sie vergessen hätten, wie das mit den Bundestagswahlen in Deutschland funktioniert. Warum ist der Wahlkampf so auf die Spitzenkandidaten ausgerichtet? Die wähle ich doch gar nicht. Der junge Mann aus der Wahlkampfarena mit Frau Merkel wird sehr gelobt, aber warum hat er das alles Frau Merkel erzählt? Die will ja Bundeskanzlerin werden und dafür muss sie erstmal gewählt werden. Das müssen die Abgeordneten machen, die wir direkt wählen. Ich müsste also meine Wahlkreisabgeordneten fragen, wen sie gegebenenfalls zum Bundeskanzler wählen würden. Bevor sie das tun, muss der Bundespräsident aber einen Vorschlag machen. Der Herr Steinmeier könnte also theoretisch den Abgeordneten Schulz zur Wahl vorschlagen. Es könnte sogar passieren, dass Schulz eine Mehrheit kriegt, dann aber mit Stimmen von AfD und Die Linke. Das wird Steinmeier nicht wollen und darum wird er Merkel vorschlagen. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass dann eine Mehrheit mit Nein stimmt und Merkel folglich nicht gewählt wird. Dann kann der Bundestag seinen eigenen Kanzler wählen, wobei dann wahrscheinlich die stärkste Fraktion den Vorschlag macht, also wieder Merkel. Dann könnte Steinmeier sie schlussendlich nur mit den CDU/CSU-Stimmen regieren lassen oder den Bundestag auflösen. Dann gäbe es Neuwahlen.

Bei Facebook gab es einen Post, der vorschlug, Politiker ein Pflegepraktikum machen zu lassen, bevor sie über die Pflege etwas entscheiden. Daran kann man sehen, wie weit sich die Ideen auch in den Köpfen der Menschen von den demokratischen Idealen entfernt haben. Denn ursprünglich war es ja die Idee einer Volksvertretung, dass in einem Parlament eben das ganze Volk vertreten ist, also auch Pflegekräfte. Die Diäten waren dafür gedacht, dass sich ein Krankenpfleger für vier oder acht Jahre freistellen lassen kann, um Politik zu machen – aber nicht, um Berufsparlamentarier zu werden. Man muss den jungen Mann aus der Arena also fragen, ob er sich nicht vorstellen kann, sich auch parteilos als Direktkandidat zu bewerben. Aber vielleicht tut man ihm damit auch Unrecht und zu allererst muss sich das jeder selbst fragen. Wenn wir denken, wir könnten Politik wie eine Dienstleistung bestellen, werden wir kriegen, was wir verdienen.

Also, für diese Wahl habe ich es erst mal verpasst. Aber falls es dann doch Neuwahlen geben sollte, ist das meine Chance. Ich habe zwar noch kein richtiges Programm, aber das haben die Parteien schließlich auch nicht. Ohne Unterstützung einer Partei ist es allerdings noch keinem unabhängigen Kandidaten gelungen, in den Bundestag zu kommen. Es wird also Zeit.

25. September 2017

Ich sagte zu meiner Sekretärin: „Bitte sagen Sie für heute alle meine Termine ab!“ Meine Sekretärin entgegnete: „Also, erstens haben Sie überhaupt keine Termine, weder heute noch sonst irgendwann. Und außerdem bin ich doch nicht ihre Sekretärin!!“ Dann ging sie weg. Ich habe sie seitdem nicht wieder gesehen. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie sie eigentlich aussieht. Wer um alles in der Welt war sie denn überhaupt? Schleicht sich hier ein und gibt vor, nicht meine Sekretärin zu sein! Es wurde Zeit, das Bankkonto zu checken. Wenn man keine Termine hat, hat man entweder Urlaub oder man wurde entlassen. Wenn man entlassen wurde, zahlen sie einem kein Geld mehr. Dann muss man zum Amt und sich arbeitslos melden. Das ist alles sehr mühsam, aber es hilft ja nichts. Also: Bankkonto checken. Wie macht man das? So ein Bankkonto trägt man ja nicht in der Tasche mit sich herum. Soll ich mal fragen? Lieber nicht, sonst sagen sie vielleicht noch, ich hätte gar kein Bankkonto und das hier sei auch keine Bank.

Das Letztere kann allerdings sein. Es scheint vielmehr so zu sein, dass ich irgendwo im Freien stehe. Oder eher sitze. Ich sitze im Freien. Das kann gar keine Bank sein. Es ist doch mehr ein Park. Schön grün hier alles und sonnig. Aber mir ist trotzdem kalt und ich fühle mich ein bisschen steif. Ich sollte jetzt eigentlich zu Hause sein und frühstücken. Oder ein Elf-Uhr-Bier trinken. Ist es schon elf? Das kann man nämlich gar nicht so genau sagen. Ende September gibt es einen Sonntag, da ist es die Woche zuvor elf und die Woche danach zehn. Entweder wird das Elf-Uhr-Bier dann zum Zehn-Uhr-Bier oder zwischen zwei Elf-Uhr-Bieren liegen 25 Stunden. Beides ist gegen die Naturgesetze und ist daher eigentlich gar nicht möglich. Trotzdem passiert es jedes Jahr. Es wird Zeit, damit Schluss zu machen!

Ich kann aber gar nicht feststellen, wie spät es ist, denn ich habe gar keine Uhr. Dafür habe ich viele Einkaufstüten mit Krimskrams, der mir irgendwie vertraut ist, aber in der aktuellen Situation nicht weiterhilft. Ich weiß nicht, was das alles zu bedeuten hat. Ich wohne doch in einem Haus aus Stein, ich habe Arbeit, Geld und Kreditkarten, ich habe saubere Wäsche zum anziehen und ich habe Freunde! Kann es passieren, dass man auf einmal in einem anderen Leben aufwacht?

George Clooney, ältere Damen und ein Darm

Es gibt eine Studie, die untersucht, welche Auswirkungen das Alter von Vätern auf die Entwicklung ihrer Nachkommen hat. Insbesondere geht es dabei um alte Väter, die aber keine Großväter sind. Die erste Aussage der Studie war, dass die Beziehung zwischen Eltern und Kindern oft sehr persönlich ist. Danach habe ich nicht mehr weitergelesen. Ich war platt. Wie haben sie das herausgefunden? Was kommt als Nächstes? Gibt es denn gar keine Geheimnisse mehr? Wird jetzt schonungslos alles aufgedeckt und ans Licht gezerrt? Ich fände es dessen ungeachtet viel interessanter, was kleine Kinder aus älteren Vätern machen. George Clooney, der ja auch nicht mehr ganz jung und im Juni Vater von Zwillingen geworden ist berichtet, dass er viermal am Tag vor Müdigkeit weinen muss. Ich bin dagegen durchgehend so müde, dass ich gar nicht zum Weinen komme, weil ich vorher einschlafe. Das passiert mehr als viermal am Tag.

Der Zeitungsartikel, dessen Anfang ich immerhin gelesen habe, beginnt mit einem Mann, der mit 70 Vater geworden ist. Na und? Was soll das überhaupt? Wieso beschäftigt sich die Studie denn mal wieder nur mit Vätern? Es gibt wahrscheinlich keine einzige Studie, die untersucht, welche Rolle das Alter bei der Elternschaft von siebzigjährigen Müttern spielt. Das sollten sie mal untersuchen. Vater werden ist schließlich nicht schwer. Mutter sein dagegen sehr, erst recht mit 70! George Clooney sagt das auch: er bewundert seine Frau, die rund um die Uhr für die Babies da ist. Wie man liest, ist Amal Clooney aber noch lange nicht so alt, dass sie für eine entsprechende Studie in Frage käme.

Über alte Frauen liest und hört man ohnehin sehr wenig. Außer „Hänsel und Gretel“ und ähnlichen Geschichten beschäftigt sich nur noch das Volkslied „Hab‘ mein Wage voll gelade“ mit „alten Weibsen“. Wenn ich es nicht fehldeute, kommt es zu dem Schluss, dass zumindest bei der Personenbeförderung die Jugend dem Alter vorzuziehen sei. Dass das stimmt, weiß jeder, der bei Bahnfahrten einen Platz am Vierer-Tisch reserviert. Der Altweibersommer wiederum erfreut sich hingegen bei jung und alt großer Beliebtheit. Auf der Wies’n hätten sie ihn gern und wir haben ihn. Dabei hat es nicht an alten Frauen gefehlt, die die Bezeichnung „Altweibersommer“ zumindest diskriminierend fanden. Dazu hat das Landgericht Darmstadt aber schon 1989 festgestellt, dass die Verwendung dieses Ausdrucks keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen darstellt. Bleibt nur noch die Frage, ob sich so ein Darm eigentlich gebauchpinselt fühlt, dass eine ganze Stadt nach ihm benannt ist?

Losigkeiten

Ich freue mich auf das fahrerlose Auto. Es wird Spaß machen, sich hineinzusetzen, den Zielort zu sagen und dann von unsichtbaren geflügelten Wesen durch die Gegend kutschiert zu werden. Vielleicht gibt es gleich eine Solitär-Option, mit der man ausschließen kann, dass noch weitere Fahrgäste zusteigen. Wenn man dann aber den vierfachen Preis bezahlen muss, würde ich das auch nicht machen. Auf keinen Fall würde ich auf die Idee kommen, so ein Fahrzeug zu kaufen. Ich kaufe ja auch nicht die RB 24, nur um damit allein unterwegs sein zu können. Aber ich hoffe sehr, dass das fahrerlose Auto den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren und individualisieren wird. Leider wird die Rechnung mit dem Strom nicht aufgehen, solange wir Kohlestrom produzieren, aber das ist eine andere Geschichte.

Es war nicht schlecht, ein Auto zu besitzen. Allerdings stand bei mir der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Ich meine keineswegs den finanziellen Aufwand, sondern den organisatorischen und den zeitlichen: Termine machen für die Inspektion, TÜV, hinfahren, abholen, dann auf einmal kein Auto haben, Räder wechseln, Radmuttern nachziehen, waschen, saugen, Fenster putzen, Flüssigkeiten kontrollieren, Erste-Hilfe-Kasten neu kaufen – alles in allem rechtfertigen alle Aufgaben rund um das Auto die Anstellung eines Chauffeurs. Und das alles für das Gefühl, jederzeit überall hin fahren zu können. Das Taxi wäre eine echte Alternative – wenn der Fahrer nicht wäre. Taxifahrer sind wie Kneipenwirte – die Mentalität eines Butlers liegt nicht in ihrer Natur. Eigentlich liegt es nahe, gar nicht mehr selbst mit dem fahrerlosen Auto zu fahren. Man schickt es alleine los, wenn einem überhaupt noch etwas einfällt, was es erledigen könnte. Kinder und alle anderen, die keinen Führerschein haben, werden automobil. Eine Fahrerlaubnis braucht man nicht mehr. Man braucht nur noch ein Smartphone und eine Kreditkarte. Wer kein Geld hat, muss weiter zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren. Irgendwann wird das selbständige Lenken eines Kraftwagens dann verboten, weil dadurch zu viele Unfälle passieren. Wer noch einen Wagen mit Lenkrad hat, bekommt ein H aufs Nummernschild und muss das Lenkrad und die vorderen Sitze ausbauen. Da kommt dann eine schöne Mini-Bar hin oder eine Kino-Anlage.

Für Taxifahrer ist diese Entwicklung erst mal schlecht, für die Kneipenwirte ist sie gut. Mit der Zeit werden dann viele neue Kneipen entstehen, die vielleicht ihren eigenen Fuhrpark haben und die Gäste abholen und nach Hause bringen. Da viele dadurch erst mal ihr Einkommen verlieren werden, gibt es noch eine alternativlose Voraussetzung für das fahrerlose Auto: Das bedingungslose Grundeinkommen.

Hinterher

Hinterher ist man ja immer schlauer. So ist das Seebrückenrestaurant in Sellin aktuell kein guter Tip. Entweder bewirtschaften sie nur einen Teil oder sie haben wegen einer Hochzeit gleich ganz geschlossen. Wenn man gut zu Fuß ist, macht das nichts. Hat man aber nur 10.000 Schritte zur Verfügung, ist der Tag gelaufen. Für den Verbleib auf der Brücke gibt es noch einen Fischbrötchenimbiss, der mit Hefeweizen Werbung macht. Bestellt man eins, bekommt man ein Sanddorn-Mixgetränk, ist ja egal. Dann sitze ich mit dem Rücken zu einem Mann, der mir extrem unsympathisch ist. Er hat ganz offenbar gute Laune und scheint sehr wichtig zu sein. Mit der Zeit wird er aber immer sympathischer, bis sich schließlich herausstellt, dass er einer der Betreuer einer Behindertengruppe ist, die in Sellin Urlaub machen. Er ist wirklich sehr wichtig. Klammer auf: Man soll ja nicht mehr „Behinderte“ sagen. Ich begrüße das, solange einem klar ist, dass man mit dem Wort einer Person oder einer Gruppe Einschränkungen und Defizite zuschreibt, die die Gesellschaft verursacht, in der sie leben. Dass ein Mensch, der in allen Angelegenheiten einen Betreuer hat nicht wählen darf, hat sich dieser Mensch nicht ausgedacht und es hat auch nichts mit seinem pathologischen Befund zu tun. Wenn man das Etikett auf der Schublade aber einfach nur gegen ein anderes austauscht, ändert sich nix. Klammer zu.

Das „Übersee“ auf der anderen Seite in Göhren kann man dagegen uneingeschränkt empfehlen, wenn man mit dem Chef klarkommt, der jeden Morgen einen großen Kasper frühstückt. Tatsächlich kümmert er sich aber einfach nur gut um seine Gäste, ist ein guter Beobachter und weiß eine ganze Menge. Eigentlich ist er Entertainer und das Café ist eine offene Bühne. Jeder Tisch kommt mal ins Rampenlicht und alle spielen irgendwie mit. Sogar ich. Am Montag ist Ruhetag.

Den ersten Platz belegt aber ganz klar der Biergarten neben dem Fischrestaurant „Kleine Melodie“ in Baabe. Bei Selbstbedienung gibt es hier alle Getränke, die es auch im Restaurant gibt, dazu ein umfangreiches Speisenangebot und jede Menge geräucherten Fisch. Bei der Einschätzung der Gäste liege ich wieder voll daneben. Ein einsamer Alter mit noch älter aussehendem Schäferhund ist mir wieder unsympathisch. Dann telefoniert er und lädt irgendjemanden zum Fischbrötchen essen ein. Schließlich kommt sein Sohn mit Frau und Hund und die Frau des alten Herrn. Es sind einfache, humorvolle und sehr feine Leute. Ich mag sie. Hinterher ist man eben immer schlauer.

Nicht vergessen

Das ist aber doch schlecht eingerichtet, dass man mit allem, was einem irgendwie Spaß macht viel zu früh wieder aufhören muss. Nehmen wir nur mal den Verzehr von Süßigkeiten: Man stopft sich mit beiden Händen das Mäulchen voll und kaut und schmatzt grinsend und vor Wohlbehagen stöhnend mit vollen Backen – und noch bevor man runterschlucken kann, wird einem schlecht. Oder aufs Meer gucken: Durch großformatige Hotelzimmerfenster könnte ich ungestört von der Dämmerung bis zum Dunkelwerden Ausschau halten und dazu die verschiedensten Biersorten verkosten – aber schon am dritten Tag ergreift mich beim Anblick dieser trostlosen Wasserwüste nur noch wilde Verzweiflung. Vom Bier ganz zu schweigen! Schon das zweite muss ich hinunterwürgen, wenn ich danach nur noch „Bier“ denke, wird mir übel. So ist das wohl mit dem Wohlstand: er hängt einem ziemlich schnell zum Hals raus.

Nein, ich habe nicht vergessen, dass ich einmal damit zufrieden sein konnte, einfach nur am Leben zu sein. Aber der Mensch ist eben kompliziert: Je mehr man hat, desto mehr will man. Hat man nur das nackte Leben und wohnt in einem alten Pott – da kann man leicht froh sein. Aber dann hat man bald ein Haus und will aber ein Schloss. König will man sein und dann Kaiser. Dann Papst und schließlich wie der liebe Gott. Und wenn man dann Glück hat, landet man wieder in seinem alten Pott und kann noch mehr damit zufrieden sein, als zuvor. Vielleicht sollte man allen, die heute noch so wütend sind, dass sie sogar ein Schild dabei haben einfach alle ihre Wünsche erfüllen. Ja, vielleicht wohnt hier in der Ostsee ein Butt, der das vermag. Dann werden sie zwar erstmal immer wütender, aber irgendwann ist dann eben auch mal wieder gut und sie sitzen wieder in ihrem alten Pott.

Heute fahre ich wieder zurück. Ich kann leicht so daherreden, schließlich wohne ich nicht in einem alten Pott. Aber wenn ich dort aus dem Fenster schaue, fahren keine Schiffe vorbei, sondern Autos. Ich sehe keinen Tropfen Wasser, sondern ein weites Feld und es kommt auch keiner zum Saubermachen. Der Rasende Roland heißt RB 24 und fährt elektrisch. Aber ich werde Besuch bekommen, der wegen mir kommt und nicht wegen der Aussicht. Und dann werden wir singen. Und Hefeweizen trinken wir auch. Eins auf jeden Fall und beim zweiten helfen wir uns gegenseitig. Ich freu mich schon.