Nichts ist sicher

Am Montag war Brückentag. Der Brückentag heißt so, weil er eine Brücke bildet, zwischen dem Wochenende und dem Feiertag. Man gelangt sozusagen trockenen Fußes vom einen zum anderen und kann am besten gleich im Bett bleiben. Heute ist wieder Brückentag, und zwar der erste von dreien zum nächsten Wochenende. Das wären dann insgesamt vier Brückentage in einer Woche, aber es kommt noch besser: Es müssen nämlich sieben Brückentage sein. „Über sieben Brücken musst du geh‘n“ ist dank Karat und Peter Maffay zum gesamtdeutschen Volkslied und Kulturgut geworden und wird wahrscheinlich vom neuen Bundestag zur Nationalhymne bestimmt, während der Brückentag als solcher gesetzlicher Feiertag wird. Man muss dann dafür keinen Urlaub mehr nehmen. Sobald zwischen zwei arbeitsfreien Tagen weniger als acht Tage liegen, sind es automatisch Brückentage.

Zweifellos wird die Wirtschaft unter der neuen Regelung ächzen und vielleicht sogar ein wenig Schaden nehmen. Die FDP wird es als erste bemerken und versuchen, gegenzusteuern. Die Lösung für das Dilemma wird dann die Dekade werden, die Zehn-Tage-Woche. Aber bis das alles an der sich vermutlich selbst destruierenden AfD vorbei ist, wird es noch etwas dauern. In der Zwischenzeit bleibt uns nichts anderes übrig, als die Tage bis zum nächsten Feiertag irgendwie anders zu überbrücken. Dafür bieten sich Arztbesuche an. Beim Augenarzt konnte ich einer neuen Strategie teilhaftig werden, die ansteigende Flut augenkranker Patienten irgendwie in den Griff zu bekommen. Man hat für die Stühle im Wartezimmer einfach eine Obergrenze eingeführt. Als ich um 8:00 dort erschien, waren schon alle Stühle besetzt. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als den nächsten durch Aufruf frei werdenden Platz zu kapern. Da ein Augenarzttermin mit einem Aufruf nicht erledigt ist, muss man sich als Patient irgendwie helfen, wenn man nicht drei Stunden stehend zubringen möchte. Man könnte den Stuhl jeweils mitnehmen. Oder den Aufruf verweigern und einfach sitzen bleiben.

Der nächste Feiertag ist hierzulande der 31. Oktober. Wie es der Zufall so will, ist das wieder ein Dienstag. Außerdem endet am Wochenende zuvor die Sommerzeit. Das bedeutet nun nichts anderes, als dass das Wochenende eine ganze Stunde länger dauert und der Brückentag daher erst eine Stunde später beginnen kann. Er müsste folglich eine Stunde kürzer sein, so dass man fragen könnte, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Tag zu überbrücken, wenn nicht – ja, wenn nicht der folgende Feiertag auch eine Stunde später begönne und so weiter und so fort. Ob wir das jemals wieder aufholen können, ist nicht sicher. Gar nichts ist sicher.

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Eigentlich

Es ist eigentlich keine große Kunst, im richtigen Moment abzugehen. Man muss nur die Augen offenhalten und eins und eins zusammenzählen können. Dann winkt man noch mal und lacht – und dreht sich um und geht seiner Wege. Aber je mehr und je länger man im Rampenlicht steht, desto mehr verliert man scheinbar die Fähigkeit dazu, bis sie ganz und gar verschwunden ist. Dem SED-Politbüro ist es so gegangen. Wer weiß schon, was alles möglich gewesen wäre, wenn für die alten Männer rechtzeitig die jungen Mädchen gekommen wären. An dieses SED-Politbüro musste ich denken, als Angela Merkel und die CDU-Führung am vergangenen Sonntag vor den Kameras standen und sagten, sie wüßten eigentlich nicht, was sie jetzt groß anders machen sollten. Ich fand das gruselig. Das Land vergreist. Die Jungen gucken YouTube oder hauen ab. Und ich gucke mir das alles mit wohligem Schaudern im Fernsehen an.

In manche Ämter ist der Schleudersitz ja eingebaut. Man kann bis zum Schluss sitzen bleiben und ausprobieren, ob man weich landet. Oder man steigt rechtzeitig ab, wie Joachim Gauck zum Beispiel. Ich finde das auf jeden Fall schlauer. Ich überlege mir sogar, ob ich nicht auch mit sofortiger Wirkung von meiner Erwerbsarbeit zurücktreten sollte. Ich bin jetzt schon so lange dabei und es wird immer unwahrscheinlicher, dass ich da noch etwas in Bewegung bringe. Es wird Zeit für die jungen Mädchen! Sie singen so schön. Aber wahrscheinlich würde mir das gar nicht gut tun. Irgendwann hat man ja mal ausgeschlafen und dann will man irgendwas machen. Es ist gar nicht so schlecht, dass es doch verschiedene Orte gibt, an denen ich einen Platz habe und Aufgaben, die außer mir erst mal keiner erledigt. Wenn das nur Lidl und Edeka und Bad putzen und Flaschen wegbringen wären, bekäme ich sicher bald Schwierigkeiten mit mir selbst.

Für Menschen, die in der Politik Verdienstvolles geleistet haben, ist es bitter, wenn sie am Ende dabei vor die Hunde gehen. Aber so ist das eben: Große Leistungen brauchen viel Zeit und je mehr Zeit vergeht, um so schwieriger wird das Loslassen. Man kann auch nichts loslassen, das man nicht erst mal festgehalten hat. Man darf es eben nicht zu fest halten, aber zupacken muss man schon. Alles nur eine Frage der richtigen Spannung zur richtigen Zeit. Alles ganz einfach. Eigentlich.

Wenigstens einen

Die Klage ist für irgend etwas sehr wichtig. Ich weiß nicht mehr genau, für was. Wahrscheinlich für das seelische Gleichgewicht und dafür, sich selbst ok zu fühlen. Auf der Arbeit wird zurzeit sehr viel geklagt. Da ich selber gar nicht im Klagemodus bin, irritiert mich das ein bisschen. Das müsste es aber gar nicht. Man könnte eine Klagewand einrichten. Wir haben sogar ein kleines Mäuerchen um unser Arbeitsgrundstück herum, das bestimmt ein paar Lücken und Löcher hat. Warum nicht einen Teil davon zur Klagemauer erklären. Jeder, der das Bedürfnis verspürt, könnte seine Klage auf einen kleinen Zettel schreiben und in eines dieser Löcher stecken. Dabei kann dann jeder sein eigenes Klageritual aufführen: sich vor die Brust schlagen, ein Stück Stoff zerreißen oder sich eine Substanz irgendwo hin schmieren.

Immerhin scheint das Wesen der Klage darin zu bestehen, sich selbst als Opfer zu begreifen. Ich glaube, da liegt der Hase im Pfeffer. Darin kann dann auch der Sinn der Klage bestehen: sich diesen Sachverhalt bewußt zu machen. Die Opferrolle ist zwar einerseits bequem, denn man muss nichts tun, weil man ja nichts tun kann. Man ist ja Opfer. Andererseits kann man sich aber fragen, ob man weiterhin Opfer bleiben will. Die Frage am Ende der Klage muss lauten: Wie komme ich aus der Opferrolle raus? Aber warum sollte man die bequeme Opferrolle verlassen wollen? Weil man keine Marionette mehr sein will. Weil man wieder selbst über sein Leben bestimmen will. Weil man wieder leben will. Darum ist es so wichtig, der Klage ihren Raum zu lassen.

Wie kommt man also raus aus der Opferrolle? Auf der Arbeit kann man einfach die Seiten wechseln. Wo es „Opfer“ gibt, gibt es auch „Täter“. Das hilft aber nur kurzzeitig, denn je nach Hierarchietiefe ist man auch als Täter bald wieder Opfer. Es ist hier eher so, wie mit allen Antworten auf wichtige Fragen: Es gibt sie nicht. Jedenfalls nicht so, wie in einem Lösungsheft. Jeder muss sie für sich selbst finden und wenn man eine für sich gefunden hat, gilt sie nicht unbedingt für einen anderen. Es hat irgendetwas mit Freiräumen zu tun. Das sind Leerstellen, die keine Instanz und kein Regime jemals besetzen kann und in denen man herausfindet, wer man selbst ist. Dann muss man es schaffen, sich selbst, so wie man ist, zu lieben. Das geht am Leichtesten, wenn es noch ein paar andere Menschen gibt, die einen lieben, so, wie man ist. Oder wenigstens einen.

Bewußter vergessen

Wie durch ein Wunder denke ich neuerdings beim Einkaufen immer an den Flaschenbon. Das ist äußerst seltsam, denn meistens lege ich die leeren Flaschen morgens in den Automaten, stecke den Bon dann ein, mache meine Termine und gehe danach, quasi auf dem Nach-Hause-Weg, einkaufen. Ich vergesse alles andere, unter anderem, was ich einkaufen wollte. Aber immer gerade noch rechtzeitig fällt mir der Flaschenbon ein. Ich finde das schön. Außerdem ist es wichtig für das Selbstwertgefühl. Wenn ich zu Hause meine Einkäufe auspacke, von denen ich meistens absolut nichts verwenden kann – und dann auch noch die nicht eingelösten Flaschenbons in der Brieftasche finden würde – ich könnte mir beim Rasieren nicht mehr in die Augen sehen. Aber so schlimm ist es ja zum Glück nicht und ich rasiere mich weiterhin regelmäßig. Darüber hinaus ist es ein Segen, alles zu vergessen. Das muss man erst mal können.

Weil ich das nicht konnte, habe ich mal angefangen, diese Texte zu schreiben. Dabei musste ich mich gedanklich mit irgendeinem beliebigen Thema beschäftigen. Es durfte nur nichts mit der Arbeit zu tun haben. Wenn der Text fertig war, hatte ich die Arbeit vergessen. Das war damals wirklich körperlich spürbar: Im Kopf ging ein Knoten auf. Nachdem ich mir mein Hirn kürzlich einmal unfreiwillig ordentlich durchgeschüttelt habe, brauche ich das nicht mehr. Wenn ich längere Sätze anfange, vergesse ich unterwegs, worauf ich hinaus wollte. Das war allerdings auch schon vor meinem Unfall so. Aber damals war mir das keineswegs bewußt, weshalb meine Ansprachen teilweise einfach nur bizarr wirkten und auf die Dauer ermüdeten. Es scheint nun so zu sein, dass ich nicht viel mehr vergesse als früher, dies aber viel bewußter tue.

Vergessen ist ein Segen. Was ich nicht vergessen will, vergesse ich auch nicht. Alles andere belästigt mich nicht mehr. Beim Verlassen der S-Bahn, grüßte mich unlängst ein Bahnsteigarbeiter. Ich grüßte zurück. Wer war das? Woher kennt er mich? Vergessen. Das ist nicht schlimm. Man muss nur höflich bleiben und trotzdem grüßen. Vielleicht kannte er mich ja auch gar nicht und war selbst einfach nur höflich? Natürlich vergisst man nichts. Niemand kann das. Das Gehirn wertet und gewichtet nur unterschiedlich. Bei mir sind die Prioritäten verrutscht, zu meinem Vorteil, wie ich glaube. Ich wünsche mir, dass das so bleibt. Was ich eigentlich schreiben wollte, habe ich vergessen. Und das ist gut so!

Diesmal nicht

Heute, da sich die erste Arbeitswoche nach einer unfreiwilligen Auszeit ihrem Ende zuneigt, ist es an der Zeit, sich schon mal ganz langsam auf den bevorstehenden Urlaub einzustimmen. Ab heute noch viermal Freitag – und dann ist es schon wieder so weit. Erwischt einen der Urlaub unvorbereitet, dann ist es, als ob man mit voller Geschwindigkeit gegen eine Wand fährt. Früher, beim Schulsport, wurde uns immer eingeschärft, nicht aus vollem Lauf einfach stehen zu bleiben, sondern langsam auszupendeln. Natürlich lief man dann viel mehr, als man eigentlich musste, aber das wollten sie ja bloß. Beim Arbeiten muss man so auspendeln, dass man nicht in den Urlaub hineinpendelt, denn dafür ist der Urlaub zu kurz. Das ist nicht einfach. Vor allem muss man rechtzeitig mit dem Pendeln anfangen. Bei mir ist das doppelt schwierig, weil ich mich ja auch gerade einpendele. Ich darf gar nicht zu sehr wieder in dieses Arbeitsgefühl hineinschwingen, damit ich rechtzeitig wieder hinaus komme und dann gut vorbereitet meinen Urlaub antreten kann.

Für ein Arbeitstier wie mich ist das alles kein Zuckerschlecken. Am Montag versuchten die Kolleginnen, mir vorsichtig ein paar Aufträge zu übergeben. Ich lächelte und nickte. Nach einer Weile fragten sie, ob ich mir nicht vielleicht etwas aufschreiben wollte? Ich entgegnete, das sei auf jeden Fall eine gute Idee, denn schon wisse ich nicht mehr genau, worüber wir gerade gesprochen hatten. Leider hatte ich auch nichts zu schreiben dabei. Man half mir aus. Ich hatte die falsche Brille auf und schrieb mir alles auf. Zu Hause war dann aber auch mit richtiger Brille alles völlig unleserlich. Aufschreiben wird überbewertet. Am Dienstag traf ich viele Menschen wieder. Eine Frau machte mir Komplimente. Ich hätte schöne Augen. Ein alter Mann maßregelte sie, man wäre nicht zum quatschen hier. Darauf sangen wir „Hab mein Wage voll gelade, voll mit Männern alten…“ Der alte Mann sang laut mit.

Am Mittwoch kam meine Kollegin und fuhr mich hierhin und dorthin. Überall warteten Menschen auf mich und wollten mit mir gemeinsam singen. Am Donnerstag fiel mir zum Glück ein, dass ich mich nicht so sehr ins Arbeiten hineinsteigern darf. Ich glaube, wenn ich so weitermache, habe ich gute Aussichten auf einen erfolgreichen Urlaub. Nichts ist schlimmer, als auf einmal Urlaub zu haben und Körper und Geist sind noch im Arbeitsmodus. Dann kommt man vielleicht in der letzten Woche von dreien ein bisschen runter – und dann ist alles zu kurz. Das wird mir diesmal nicht passieren.

Mit Widmung

Ruth Herzberg ist einfach die Härteste! Jetzt hat sie geschrieben, dass sie an einem Roman arbeitet, der dann ein rosa Cover bekommt, weil sie eine Frau ist. Sie muss diesen Roman schreiben, weil sie das Geld braucht, damit sie nach Italien fahren kann, wo sie dann die Sonnenuntergänge fotografiert. Ich müsste auch an meinem Roman schreiben, aber Ruth Herzberg macht es scheinbar einfach. Sie steht jeden Tag um 16:00 Uhr auf und arbeitet dann bis zum Abend. Ich stehe jeden Tag um 6:00 Uhr auf, habe Termine und schaffe nichts. Das macht aber auch nichts, weil ich erwerbstätig bin. Ich bin ein Angestellter und muss nur meine Aufträge abarbeiten. Das würde ich auch als Einäugiger hinkriegen. Schaffen muss ich nichts. So wird aber der Roman nicht fertig. Inzwischen habe ich so vielen Leuten von dem Roman erzählt, dass jetzt schon mehr Menschen darauf warten, als auf den rosa Roman von Ruth Herzberg. Es ist mir schon ein bisschen unangenehm.

Gestern war ich noch mal in der Arztpraxis, um stolz herzuzeigen, welche Fortschritte ich mit meiner Genesung mache. Ich wollte das an der Rezeption erledigen, wurde aber sofort in ein Behandlungszimmer geführt und eine Ärztin wurde gerufen. Sie interessierte sich gar nicht für meine Fortschritte, sondern fragte gleich nach dem Roman. Immer noch nicht weiter? Warum dauert das so lange? Ich wusste es nicht. Vielleicht konzentriere ich mich nicht richtig, oder ich lasse mich zu leicht ablenken. Möglicherweise sollte ich mich auch nicht mit Fingerübungen wie diesen hier aufhalten, sondern einfach kontinuierlich romanschreiben. Ich weiß aber noch gar nicht, welche Farbe das Cover haben wird. Blau? Wahrscheinlich.

So einfach ist es aber leider nicht. Romanschreiben kann man nicht nebenbei. Romanschreiber ist man immer hauptberuflich. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange man arbeitet und welche Tages- oder Nachtzeit man bevorzugt. Man kann aber nebenbei keine anderen Hauptaufgaben haben, wie Kinder betreuen oder eben einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Darum muss man schon sehr davon überzeugt sein, dass man jetzt einen Roman schreiben muss. Das kann bei mir noch ein bisschen wachsen. Es kann auch passieren, dass ich den Roman erst als Rentner schreiben kann. Als Rentner könnte ich mich ins Private zurückziehen und in aller Ruhe arbeiten. Wenn ich dann fertig bin, kriegen alle einen Schreck, weil niemand mehr mit einem Roman von mir gerechnet hat. Wenn die Ärztin dann noch in ihrer Praxis ist, schenke ich ihr ein Exemplar. Mit Widmung.

Was man weiß und was nicht

Ist der Sigmar Gabriel jetzt eigentlich wieder im Urlaub? Er hatte ihn ja unterbrochen um Bescheid zu sagen, dass das mit dem Verhaften (in der Türkei) so nicht weitergehen kann. Konnte er seinen Urlaub dann fortsetzen? Unterbrochen oder abgebrochen? War es das jetzt für dieses Jahr? Man weiß es nicht. Außenminister ist eben ein anspruchsvoller Posten und für mich wäre das gar nichts. Im Urlaub wäre ich gar nicht erreichbar oder würde alle Nachrichten ignorieren. Scheinbar hat man als Außenminister auch keine Vertretung. Ich habe ja immer gesagt, dass es besser ist, gleich Bundespräsident zu sein. Dann wird man nämlich durch die Ministerpräsidenten vertreten und muss nicht im Urlaub ans Telefon gehen oder Mails lesen.

Bevor ich Urlaub machen kann, muss ich erst mal wieder arbeiten gehen. Ich kann es kaum glauben, aber ich bin tatsächlich ein bisschen aufgeregt und freue mich auch auf die nächsten Wochen. Ich bin sehr gespannt. Es kommt mir so vor, als ob ich etwas völlig Neues anfange, von dem ich noch nicht weiß, was es werden wird. Das weiß man in Wirklichkeit nie, man tut bloß so. Vielleicht deshalb, weil es kaum auszuhalten wäre, wenn man jeden Tag eine Premiere aufführen würde. Aber bevor das losgeht, treffen wir uns noch zum Malen. Im vergangenen Jahr bin ich dabei den Musen begegnet. Ob das in diesem Jahr wieder passiert, kann man auch nicht wissen. Kann sein, kann nicht sein.

Man weiß allerdings, dass es ab morgen die ganze Woche immer wieder mal regnen wird. Es wird auch nicht sehr warm. Das wird darum so sein, weil ich es gerade hier hinschreibe. Es geht auch nicht anders, denn die Fleißigen Lieschen brauchen viel Wasser. Ich kann sie nicht beim Nachbarn abgeben. Das brächte nur Schwierigkeiten mit sich. In Neubrandenburg hatte ich eine Nachbarin, die meine Balkon-Sonnenblumen gegossen hat, als ich mit der Schönen und Blutjungen in Ungarn war. Also erst waren wir in Ungarn und danach in Österreich. Als wir wiederkamen, waren die Sonnenblumen hinüber. Die Nachbarin war untröstlich. Dabei konnte sie bestimmt gar nichts dafür. Aber sie hat sich sehr gegrämt. Ich weiß noch nicht, ob ich das jetzt meinem Nachbarn oder den Fleißigen Lieschen nicht zumuten will. Er hat sein Paket inzwischen abgeholt, nachdem ich ihm doch die Tür aufgemacht habe. Er hat mich nicht verhaftet. Möglicherweise ist er doch kein Agent. Aber vielleicht macht er sich auch nur Sorgen um die Wirtschaft. Man weiß es nicht.