Ich bleibe hier

Warum gucken wir so gern auf’s Meer? Weil wir auf ein Schiff warten. Wir warten schon so lange auf ein Schiff, dass wir vergessen haben, warum. Wenn dann eins auftaucht, was hin und wieder vorkommt, bleiben wir einfach sitzen. Manchmal ergreift einen auch eine seltsame Aufregung, so als ob man jetzt aufspringen müsste und irgendetwas tun. Aber was? Natürlich wissen wir aus Filmen und Romanen, dass wir jetzt ein Feuer machen sollten, laut rufen und mit den Armen rudern. Irgendwie Aufmerksamkeit erregen eben. Wenn wir Glück haben, sehen sie uns dann auf dem Schiff und wenn wir noch mehr Glück haben, holen sie uns ab. Man muss schon sehr, sehr einsam sein, um sich so etwas zu wünschen. So einsam ist man in der Regel dann doch nicht und darum macht man auch keinen Aufstand, wenn man mal ein Schiff sieht. Aber gucken will man trotzdem.

An Deck der heutigen Kreuzfahrtschiffe soll ja die Feinstaubbelastung so hoch sein, wie an einer vielbefahrenen Straße. Man bleibe also lieber unter Deck, obwohl auch hier meistens dicke Luft ist. Noch besser bleibt man aber an Land, solange überhaupt noch trockenes Land übrig ist. Das wird wohl immer weniger werden und die Menschen, die immer mehr werden, müssen enger zusammenrücken. Das wird dann so, wie im Fischrestaurant, das wegen Regen seine Terasse geschlossen hat. Es bleiben nur ein paar geschützte Plätze unter der Jalousie an der Hauswand. Sofort schrumpft der akzeptierte Schutzraum um einen selbst und freie Plätze am Tisch werden besetzt. Willkommen, willkommen möchte ich rufen, aber es bleibt mir im Halse stecken. Ich bin einfach noch nicht so weit.

Oder es wird wie in der Bäderbahn, wenn es regnet. Sechzehn Sitzplätze und sieben Stehplätze. Das glaubt man gar nicht. Aber nach dem ersten Bremsen sieht man es dann. Zwei junge Damen finden sich nach einer Stunde unversehens am Ausgangspunkt ihrer Fahrt wieder. „Ach, waren wir schon in Baabe?“ So etwas sorgt für gute Laune im überfüllten Wagen. Man kommt sich doch schneller näher, als im großen Hotel, ob man nun will oder nicht. Im Seebrückenrestaurant schieße ich den letzten freien Tisch und esse und trinke einfach immer weiter, solange es draußen regnet. Auf der Seebrücke zapfen sie das beste Schwarzbier zwischen der Granitz und dem Prorer Wiek. Hungrige Kinder stehen weinend draußen im Regen und können nicht hinein, weil ich meinen Platz nicht räume. Ich müsste zur Toilette, aber dann kapern sie meinen Tisch. Sie sollen nur kommen. Ich bleibe hier.

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Offen für Neues

Ich bin zu „Vino und Tischtennis“ in den Garten eingeladen. Was soll ich mitbringen? Eine Flasche Aperol. Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Wo kauft man das? Ich wollte mir keine Blöße geben und fragte nicht. Aber es klingt nach Apotheke. Wozu brauchen sie es? Zündet man damit den Grill an? Oder ist es zum Einreiben der Tischtennisschläger? Ich habe es dann im Supermarkt gleich neben der Kasse entdeckt. Es ist ein Likör. Ein Destillat aus Rhabarber, Chinarinde, Gelbem Enzian, Bitterorange und aromatischen Kräutern. Sie werden es höchstwahrscheinlich trinken. Sich hinter die Binde gießen. Mit einem Trinkhalm aufschlürfen. Ich kann also davon ausgehen, dass es kein Hefeweizen geben wird. Man muss auch mal offen sein für Neues.

Tischtennis wurde in Hennigsdorf im Luthersaal gespielt. Im Winter war es noch kälter als draußen, aber man durfte dort rauchen. Ich weiß gar nicht, warum. Offenbar brauchen Jugendliche einen Ort, an dem sie ungestört rauchen können. Besser, als wenn sie heimlich saufen würden. Dabei haben wir nur geraucht, damit keiner merkte, dass wir in Wirklichkeit unheimlich soffen. Aber keinen Aperol sondern Ka-Li, Pfeffi und Bier. Wir spielten „chinesisch“ und umrundeten die Platte, bis nur noch zwei übrig blieben. Der Sieger bekam einen Punkt. Wenn einer 21 Punkte hatte, war das Spiel vorbei. Es war auch möglich, nur bis 7 Punkte zu spielen. Wenn man richtig dazu gehören wollte, musste man seinen eigenen Tischtennis-Schläger mitbringen. Das war dann logischerweise eine Softkelle und nicht so ein Stullenbrett mit Noppen. Mit dem Kugelschreiber malte man noch „KISS“ oder „ACDC“ darauf. Oder „JESUS LEBT“. Softkellen kaufte man in der Tschechei. Ich könnte heute nicht mehr sagen, was auf meiner Kelle gestanden hat oder ob ich sie überhaupt bemalt habe.

Also spielen wir wieder Tischtennis. Übrigens auch eine schöne Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu kommen, ohne viel reden zu müssen. Durch die Platte hat man einen schönen Abstand, der kleine Ball verbindet wieder. Man kann aggressiv spielen und immer wieder angreifen oder ganz vorsichtig sein und gemeinsam versuchen, lange Ballwechsel hinzukriegen. Das geht alles ohne Worte. Man kann sich auch nicht die ganze Zeit anstarren, sondern man muss auf den Ball achten. Wenn sie dann anfangen, sich ohne zu rauchen den Aperol reinzuziehen, werde ich mich etwas zurückhalten müssen. Ich muss immerhin noch mit dem Fahrrad nach Hause fahren und ich will nicht wieder hinfallen.

Zwei Männer und Pauli

Am Finowkanal bei Marienwerder gibt es ein Lokal mit Biergarten, den Schleusengraf an der Grafenbrücker Schleuse. Es ist eine der letzten Oasen, in denen man die Kunst des Hefeweizenkühlens versteht. Von meiner Wohnung aus sind es 17 km mit dem Fahrrad, die ich aber gern auf mich nehme, wenn ich schon mal ein Hefeweizen trinken will. Oder zwei. Wenn man einmal so weit gefahren ist, soll man ruhig zwei Hefeweizen trinken. Das machen da alle so. Es kommen auch alle mit dem Fahrrad dort an. Die Ausnahme waren zwei alte Männer, an deren Tisch ich Platz nehmen durfte. Der eine fragte: „Woll’n wa weitafah’n?“ Der andere entgegnete: „Jetzt trink’n wa erstma‘ aus. Oder willlste’t wegschütt’n?“ Der eine wieder: „Klar schütt’ick’t weg. Aber hier rin!“ Dann tranken sie aus, bezahlten und ich war gespannt, wie sie wohl weiter fahren würden. Kurze Zeit später ein leises Surren und zwei Elektro-Rollstühle zuckelten auf dem Radweg nebeneinander davon. Die beiden scheinen inzwischen Stammgäste zu sein. Ich war bestimmt ein ganzes Jahr nicht dort, wurde aber von einem der Herren sofort zum Mitstammgast ernannt. Zumindest sei ich einer, der öfter hier herkäme.

Noch einen Tag zuvor bekam ich in einem anderen Lokal ein Weißbier mit einem Eiswürfel serviert. So geht das nicht. Wenn ein Lokal sein Bier nicht kalt bekommt, muss es den Ausschank verweigern. Das mag großen Mut erfordern, wäre aber ehrenhaft und im Hinblick auf die Kundschaft auch nachhaltiger. Ich weiß nicht, ob ich das Eiswürfel-Lokal noch einmal aufsuchen werde. Immerhin, so könnte man argumentieren, haben sie sich ja noch Gedanken gemacht. Sie haben wahrgenommen, dass das Getränk ungenießbar war und wenigstens symbolisch für Abhilfe gesorgt. Ich hätte aber auch allen Grund, mich verspottet zu fühlen.

Im Schleusengraf gibt es noch einen Hund, der inzwischen auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben dürfte. Er heißt Pauli und guckt sich seine Kundschaft sehr genau an. Wenn er dich lange genug beobachtet hat, und glaubt, dich einschätzen zu können, bringt er dir sein Spielzeug. Wahrscheinlich muss man es fortwerfen und dann bringt er es wieder zurück. Keine Ahnung. So weit sind wir nie gekommen. Ich kann im Schleusengraf nämlich leider nicht drei oder vier Hefeweizen trinken, weil ich ja mit dem Fahrrad wieder nach Hause fahren muss. Einerseits ist das zwar sehr schade, aber andererseits auch irgendwie sportlich. Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wieder kommen kann und die zwei Männer und Pauli dann auch noch da sind.

Überlistet

Ich wollte noch schnell einen Text schreiben und dabei ein Hefeweizen trinken. Dabei merke ich wieder, dass mir manche Sachen schneller von der Hand gehen als andere. Als ich das Hefeweizen getrunken hatte, hatte ich noch kein einziges Wort geschrieben. In Wirklichkeit habe ich mich aber mit dem Schreiben bloß zurückgehalten, damit nicht am Ende der Text fertig und noch Hefeweizen übrig wäre. Es ist sehr in der Tat sehr schwer, beides so aufeinander abzustimmen, dass ich den letzten Schluck trinke, während ich mir den fertigen Text noch mal durchlese. Eigentlich passiert das nie. Entweder trinke ich oder ich schreibe. Es ist aber auch seltsam, wie sich ein eigentlich fertiger Text nach dem Genuss von Hefeweizen verändert. Ich empfehle das mal zu überprüfen: Erst nüchtern lesen. Dann einen halben Liter Hefeweizen trinken. Dann noch mal lesen. Das kann man beliebig oft wiederholen und bekommt immer andere Ergebnisse. Es ist wie „Sprühen und Wischen“ beim malen mit Kreide.

Meine Texte eignen sich gut für diese Lesetechnik, weil sie so schön kurz sind. Man kann so ein Experiment nicht mit „Krieg und Frieden“ machen. Da wird man ja während des Lesens wieder nüchtern. Andererseits verändern sich die Texte ja nicht objektiv, sondern nur das, was das Gehirn schließlich daraus macht. Das finde ich schon interessant. Vielleicht sollte ich viel mehr selbst herumexperimentieren und Anleitungen voranstellen, in welchem Zustand der Text optimal konsumierbar ist. Aber das ist wahrscheinlich total unterschiedlich und von Variablen wie Körpergewicht und Körpergröße abhängig. Also soll jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Ich weiß noch nicht, ob ich Kommentare darüber veröffentlichen würde: „Kommt am besten auf Bong“ oder „Auf Absinth möglicherweise Erbrechen“.

Manche Menschen können nur mit Alkohol fröhlich sein. Ich bin leider auch mit Alkohol nicht fröhlicher, als sonst. Die natürliche Fröhlichkeit geht mir so sehr ab, dass ich oft als verbitterter Griesgram verkannt werde. Das bin ich natürlich nicht, denn ich kann mich mit körpereigenen Drogen in einen Trancezustand versetzen, der vielleicht ein wenig befremdlich wirkt, aber das Leben für mich erträglich macht. Den Trick habe ich von Frau Birkenbihl, die herausgefunden hatte, dass bei längerem Hochziehen der Mundwinkel irgendetwas in die Blutbahn oder direkt ins Gehirn gelangt, dass fröhlich macht. Darum sieht man mich neuerdings oft grinsen, was ein bisschen debil aussieht, aber den Eindruck von Fröhlichkeit erwecken kann, was schließlich auf das eigene Gehirn abfärbt. Dann glaube ich echt, ich sei fröhlich. Überlistet.

Fuchs und Esel

Wir hatten in Tröbsdorf Quartier genommen. Tröbsdorf ist ein Ortsteil von Laucha und liegt dort, wo sich Fuchs und Esel gute Nacht sagen. Der Fuchs ist ein Kräuterschnaps und der Esel ein Schwarzbier. Nach einer guten Flasche Wein (ohne Essen – ich kann zum Wein trinken immer nichts essen), wollte ich noch einen kleinen Kräuterlikör genießen. Leider habe ich Fuchs und Esel verwechselt und ein Schwarzbier bestellt. Den Fuchs wollte ich dann trotzdem noch haben und kam dann aber in der Folge völlig mit Fuchs und Esel durcheinander. Sicherheitshalber gab ich dem Wirt am Schluss mein ganzes Bargeld, damit es mir auf dem Weg in mein Zimmer nicht noch gestohlen werde. Dann passte der Schlüssel nicht. Der Wirt hatte so etwas schon öfter erlebt. Er sprang hinzu, denn er hatte einen Zauberschlüssel, der immer passte.

Am nächsten Tag reisten wir ab. Ich war etwas länger unterwegs, weil ich in Ostkreuz meinen Anschlusszug um vier Minuten verpasst hatte. Da man in Ostkreuz ganz schlecht eine Stunde warten kann fuhr ich mit der S-Bahn vor nach Lichtenberg. Ich erwischte einen Wagen mit einer unscheinbar aussehenden Mädchengruppe. Kaum fuhr der Zug, drehten sie die Musik auf und sangen sehr laut fremdländisch anmutende Weisen. Dann hielt der Zug auf freier Strecke. Jetzt standen die Mädchen auf und versuchten mit rhythmischen Bewegungen den Wagen umzuwerfen. Offenbar wurde ich gerade Opfer einer neuen Art von Terroranschlägen. Der Zug fuhr einfach nicht weiter und wackelte immer stärker. Ich muss sagen, dass die Toleranz der anderen Fahrgäste die meine bei Weitem übertraf. Sie ließen sich entspannt von dem wankenden Zug hin und her wiegen, schauten den Mädchen zu und lächelten. Ich saß wie ein Ölgötze auf meinem Platz, biss mir von innen in mein Gesicht und nahm schon mal geistig Anlauf, um beim Einfahren in den Bahnhof der Erste an der Tür zu sein.

Die restliche Fahrt verlief ohne Zwischenfälle. Als ich zu Hause ankam, passte der Schlüssel wieder nicht. Ich hatte den Zimmerschlüssel aus Tröbsdorf eingesteckt und meinen Wohnungsschlüssel abgegeben. Das war jetzt blöd. In dem Moment tippte mir von hinten einer auf die Schulter. Als ich mich umdrehte stand da ein schwarzer Esel mit einem Fuchs auf dem Rücken und hielt mir mit seiner Hufhand meinen Wohnungsschlüssel hin. Wir tauschten und der Fuchs nickte mir kurz zu. Dann verschwanden die beiden und ich ging nach Hause. Ganz genau so ist es gewesen.

Biergartenarbeit

Oh Mann! Jetzt habe ich einen Hit geschrieben. Echt jetzt! Ich bin selbst ein bisschen überrascht. Der Song heißt „Erdbeerfeld“ und wird der Titelsong meiner neuen Tournee. Darum kann ich ihn hier auch noch nicht veröffentlichen. Nur meiner Therapeutin schicke ich ihn vorab, um ihr eine besondere Freude zu machen. Sie hat es schwer genug mit mir. Außerdem hat sie heute Geburtstag. Ich wünsche ihr Glück und alles, alles Gute. Was die „Tournee“ betrifft, übertreibe ich allerdings schon wieder. Es ist natürlich keine Tournee, ich kann ja nicht so lange weg. Kaum habe ich mal einen Tag frei, denke ich, es geht jetzt immer so weiter. Das tut es nicht, aber ich sollte mir doch öfter mal frei nehmen. Ich war früh auf den Beinen und hatte schon gegen neun die Korrespondenz erledigt. Danach habe ich „Erdbeerfeld“ zusammengesponnen. Beim Aufnehmen ping-ping-te mir der WhatsApp-Benachrichtigungston dazwischen. Es passte eigentlich ganz gut, brachte mich aber dann doch völlig durcheinander, so dass ich noch mal von vorn anfangen musste. Diesmal klingelte das Telefon. Beim dritten Anlauf war das Ding dann im Kasten.

Angerufen hatte Andrea, die in Berlin war und sich mit mir treffen wollte. Wir verabredeten uns im Biergarten. Immerhin hat es nicht geregnet, aber richtiges Biergartenwetter war es auch nicht. Andrea ist dann leider nicht so richtig zu Wort gekommen, weil ich kurz etwas erzählen wollte. Im Nachhinein merke ich, dass es immer schlimmer wird. Wenn ich etwas erzählen will, ufert es sofort aus, ach was, es wuchert. Es ging eigentlich nur um meinen Schrittzähler, der offenbar einmal während der Gartenarbeit meine Armbewegungen als Schritte interpretiert hatte. Ich musste aber etwas ausholen, da ich ja keinen Garten habe, sondern mein Bruder, der aber in Mainz wohnt, den Garten aber in Frankfurt hat und jetzt in Düsseldorf arbeitet, weswegen er schon eine Weile nicht mehr im Garten war, nak nak nak…

Es ist sicher möglich, sich auch beim Sprechen ein bisschen zu konzentrieren. Beim Schreiben geht es ja auch. Andrea musste jedenfalls ihren Flieger schaffen und hat darum die Sache mit der Schrittzähler gar nicht mehr mitbekommen. Aber sie weiß jetzt alles über meinen Bruder, den Garten und das Haus in Mainz. Wenn wir uns das nächste Mal treffen, werde ich ihr einfach mal zuhören. Sehr gerne wieder im Biergarten. Auch bei Sonnenschein wird das für mich ein hartes Stück Arbeit. Und zwar Biergartenarbeit. Meinetwegen mit Armbewegungen.

Was ist mit Tee?

Ein Gourmet ist ein Feinschmecker. Mit der Fähigkeit des Feinschmeckens verhält es sich nun genauso, wie mit der des Rückwärtslaufens: sie ist völlig nutzlos. Die Feinschmeckerei verschafft dem Feinschmeckenden keinerlei Vorteil, es sei denn, man rechnet das Erleben von Genuss zu den Vorteilen. Als Genussunfähiger kann ich aus der Beobachtung Genießender allerdings nur gegenteilige Schlüsse ziehen. Genuss scheint doch eher etwas mit Leiden als mit Vorteil und Gewinn zu tun zu haben. Genießende verziehen ihr Gesicht so wie Schmerzempfindende und machen ähnlich wimmernde Geräusche. Genuss kann gar kein Vorteil sein, denn zu seinen hervorstechendsten Wesensmerkmalen zählt ja seine Flüchtigkeit. Das bedeutet nichts anderes, als dass die ganze Lust nur einen Augenblick währt und sich alsbald um so heftiger wieder Sehnsucht, Verlangen und Begehren einstellen. Wenn man nicht total auf Zack ist, kann man sogar den kurzen Lustmoment vollständig verpassen. Mir ist das mal in der Adventszeit mit Dominosteinen passiert: mich verlangte unbändig nach ihnen, ich kaufte mir welche – und fand schließlich die leere Packung im Müll, ohne Erinnerung daran, dass ich sie genossen hatte.

Ein alter Freund, der seinen Namen ganz bestimmt nicht in der Zeitung lesen will, hat auch dieses Gourmet-Ding. Hin und wieder ergibt es sich, dass wir zusammen eine Mahlzeit einnehmen oder er erzählt von einer solchen Gelegenheit. Er eröffnet dann immer mit dem Hinweis, er könne zum Essen kein Bier trinken. Ich reagiere dann immer etwas unbeholfen. Da wir bald wieder eine Zusammenkunft haben, will ich mich etwas vorbereiten und eine Liste mit möglichen Antworten machen, damit ich nicht immer so rum stottere. Also:

Ich kann zum Essen kein Bier trinken

  • Ich auch nicht.
  • Es ist wie Fahrrad fahren: Ich konnte das auch nicht auf Anhieb. Durch tägliches Üben habe ich es aber geschafft.
  • Ich auch nicht. Darum trinke ich vor und nach dem Essen größere Mengen und esse dann nur wenig und sehr schnell.
  • Ich kann beim Bier trinken nichts essen.
  • Essen wird überbewertet.
  • Ich kann beim laufen nicht telefonieren.
  • Nobody is perfect.
  • Trink Wasser wie das liebe Vieh und denk, es wär Krambambuli.
  • Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
  • Und was ist mit Tee?