Fuchs und Esel

Wir hatten in Tröbsdorf Quartier genommen. Tröbsdorf ist ein Ortsteil von Laucha und liegt dort, wo sich Fuchs und Esel gute Nacht sagen. Der Fuchs ist ein Kräuterschnaps und der Esel ein Schwarzbier. Nach einer guten Flasche Wein (ohne Essen – ich kann zum Wein trinken immer nichts essen), wollte ich noch einen kleinen Kräuterlikör genießen. Leider habe ich Fuchs und Esel verwechselt und ein Schwarzbier bestellt. Den Fuchs wollte ich dann trotzdem noch haben und kam dann aber in der Folge völlig mit Fuchs und Esel durcheinander. Sicherheitshalber gab ich dem Wirt am Schluss mein ganzes Bargeld, damit es mir auf dem Weg in mein Zimmer nicht noch gestohlen werde. Dann passte der Schlüssel nicht. Der Wirt hatte so etwas schon öfter erlebt. Er sprang hinzu, denn er hatte einen Zauberschlüssel, der immer passte.

Am nächsten Tag reisten wir ab. Ich war etwas länger unterwegs, weil ich in Ostkreuz meinen Anschlusszug um vier Minuten verpasst hatte. Da man in Ostkreuz ganz schlecht eine Stunde warten kann fuhr ich mit der S-Bahn vor nach Lichtenberg. Ich erwischte einen Wagen mit einer unscheinbar aussehenden Mädchengruppe. Kaum fuhr der Zug, drehten sie die Musik auf und sangen sehr laut fremdländisch anmutende Weisen. Dann hielt der Zug auf freier Strecke. Jetzt standen die Mädchen auf und versuchten mit rhythmischen Bewegungen den Wagen umzuwerfen. Offenbar wurde ich gerade Opfer einer neuen Art von Terroranschlägen. Der Zug fuhr einfach nicht weiter und wackelte immer stärker. Ich muss sagen, dass die Toleranz der anderen Fahrgäste die meine bei Weitem übertraf. Sie ließen sich entspannt von dem wankenden Zug hin und her wiegen, schauten den Mädchen zu und lächelten. Ich saß wie ein Ölgötze auf meinem Platz, biss mir von innen in mein Gesicht und nahm schon mal geistig Anlauf, um beim Einfahren in den Bahnhof der Erste an der Tür zu sein.

Die restliche Fahrt verlief ohne Zwischenfälle. Als ich zu Hause ankam, passte der Schlüssel wieder nicht. Ich hatte den Zimmerschlüssel aus Tröbsdorf eingesteckt und meinen Wohnungsschlüssel abgegeben. Das war jetzt blöd. In dem Moment tippte mir von hinten einer auf die Schulter. Als ich mich umdrehte stand da ein schwarzer Esel mit einem Fuchs auf dem Rücken und hielt mir mit seiner Hufhand meinen Wohnungsschlüssel hin. Wir tauschten und der Fuchs nickte mir kurz zu. Dann verschwanden die beiden und ich ging nach Hause. Ganz genau so ist es gewesen.

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Memleben

Ich habe der Unstrut Unrecht getan. Das gebe ich unumwunden zu. Sie fließt ungerührt durch eine schöne Landschaft und stört sich gar nicht daran, dass die Menschen immer ganz wunderliche Namen erfinden. Nehmen wir zum Beispiel Memleben. Man weiß mal wieder nicht genau, wie der Ort zu seinem Namen gekommen ist und was er bedeuten soll. Ich vermutete zunächst, Memleben heiße Memleben, weil dort die Memmen leben. Das kann aber nicht ganz stimmen, denn die ottonischen Könige und Kaiser hielten sich hier sehr gerne auf und die waren schließlich keine Memmen. Es könnte aber auch sein, dass der Name auf eine sehr alte Legende zurückgeht. Demnach kamen einmal drei Männer in den Ort, um das Kloster zu besuchen. Um sich vorher zu stärken, begehrten sie Einlass im Café am Kloster. Dies taten sie aber um die Mittagsstunde und das Café öffnete erst am Nachmittag und man schickte die Männer zum Restaurant Zum Storchennest. Als sie dieses erreichten, schloss es gerade und man schickte sie wieder zum Kloster. Das ging immer so weiter, so dass die Männer nun bis zum jüngsten Tag vom Kloster zum Storchennest und wieder zum Kloster laufen müssen. Weil sie darüber ohne Unterlass jammerten und klagten, hießen sie bald „Die Drei Memmen“ und man kann sie heute noch zwischen Kloster und Storchennest durch Memleben laufen sehen.

Ich war ja mit Axel, meinem alten Freund und Bernhard, meinem alten Freundesfreund an der Unstrut. Während Axel die Unterkunft zu organisieren hat und Bernhard uns anführt, war meine Rolle im Unternehmen bisher nicht klar erkennbar. Ich wurde diesmal angewiesen, drei lachende Mädchen klarzumachen, damit sie mit uns auf sonnigen Wegen dahinzögen. Zumindest ist es mir gelungen, zwei Mädchen zu gewinnen. Wir haben sie ein bisschen zum Lachen gebracht und das mit der Sonne hat schließlich auch noch geklappt. Es war unglaublich aufregend und wunderschön. Die Mädchen haben haben aber nicht nur gelacht, sondern auch gesungen. Erst in Laucha in der Stadtkirche St. Marien und dann beim Wandern auf dem Radweg. Leider mussten sie damit viel zu schnell wieder aufhören, weil zu viele Radfahrer durch den betörenden Gesang mit wildem Weh ergriffen wurden, nicht die Felsenriffe schauten und stürzten.

Was nun die drei Memmen betrifft, so geht die Geschichte so weiter, dass sie erst von ihrer ewigen Wanderung erlöst werden können, wenn drei lachende Mädchen nach Memleben kommen. Sie müssen die drei Memmen finden und sie zum Singen bringen. Im selben Augenblick bricht der Bann und die Memmen können wieder leben. Darum Memleben.

Immer am Fluss lang

Über Pfingsten reise ich an die Unstrut. Jetzt, wo der Termin heranrückt, mache ich mir ein bisschen Sorgen. Warum heißt es Unstrut? Sollte es eigentlich die Strut werden und das ist so furchtbar schief gegangen, dass man es nur noch Unstrut nennen konnte? Die einschlägigen Nachschlagewerke tragen nur Haarsträubendes zur Namensfrage bei. Also werde ich mich wohl oder übel überraschen lassen. Mein alter Freund Axel hat die kleine Reise organisiert, dann wird es ja wohl etwas Anständiges werden. Wobei mir immer noch nicht klar ist, wovon sich die Unstrutovaren eigentlich ernähren. Diesmal können wir leider nicht viel mitnehmen, denn wir werden mit der Bahn anreisen. Dabei gibt es bestimmt wieder Einiges zu erleben. Wir könnten zum Beispiel aufgefordert werden, unsere Fahrkarten vorzuzeigen. Bestimmt ist dann irgendetwas nicht in Ordnung.

Die Bahn will ja ganz und gar von den Papiertickets wegkommen. Künftig muss man dann zum Bahn fahren ein Smartphone haben. Eine App erkennt, wann man ein- und aussteigt und rechnet ab. Dann werden die Züge vielleicht wieder leerer. Schließlich hat ja nicht jeder ein Smartphone. Tante Hannelore ist vor kurzem beim Busfahren fast gescheitert, weil sie kein Ticket mehr beim Fahrer bekam. Sie wurde zu einem Automaten geschickt. Das ist doch schade. Das Fahrscheinkaufen im Bus war die letzte sichere Sache für den Gelegenheitsbusfahrer. Der Busfahrer wusste immer Bescheid und hatte immer Wechselgeld. Die Wechselgeldausspucker und Kleingeldversenkvorrichtungen waren beispielgebend. Epochemachend. Der Fahrscheindrucker! Was sind das bloß für Erbsenzähler, die das alles wegmachen wollen? Ein Busfahrer, der nur noch Bus fährt ist doch nur noch langweilig. Aber das müssen sie ja selber wissen. Ich bin ja auch mit schuld, weil ich im Bus auch nur noch mein Handy vorzeige. Die Busfahrer gucken dann, als ob ich ihnen eine Socke gezeigt hätte oder mein Schulheft. Aber sie haben mich bis jetzt immer durchgelassen.

Wie dem auch sei, wir fahren jetzt jedenfalls mit der Bahn zu diesem Unding. Dann werden wir wohl die Landschaft vermessen, wie ich uns so kenne. Sie haben bestimmt wieder Karten mit, die sie hin und her drehen. Ich wieder mit Handy, wenn es ein Netz gibt. Wenn nicht, gehen wir eben immer am Fluss lang.

Vom Cousin zum Opa

Es wird immer schöner. Die Temperaturen steigen wieder. Darum verlassen wir den Wohnwagen und fahren weiter. Die Gastfreundschaft ist überwältigend, aber man soll sie nicht überstrapazieren. Es ist immer gut, die Last gleichmäßig zu verteilen, wenn man schon der Verwandtschaft auf die Pelle rückt. Zum Abschied empfiehlt sich eine Rundwanderung vom Bergerhof aus. Man startet von dort zu einem Umlauf mit beliebigem Schwierigkeitsgrad und beendet das Ganze mit einem Einsitz und gekühltem Getränk. Dazu lässt man sich die erste Maisonne auf den Pelz scheinen und lauscht den Erzählungen der Altvorderen.

Mein Vater wuchs bei seinen Großeltern auf. Das war ihm natürlich nicht bewusst und seine Großmutter war für ihn „Mutter“. Onkel und Tante waren für ihn die älteren Geschwister. Irgendwann lernte mein Vater auch seine wirkliche Mutter kennen und später auch seinen leiblichen Bruder. Aber seine gefühlten Geschwister hatte er sozusagen mit seiner leiblichen Mutter gemeinsam. Dieser „Bruder-Onkel“ ging schließlich über die grüne Grenze nach Westdeutschland und erlernte dort den Gärtner-Beruf. Er ließ sich in Hattingen nieder, fand dort seine Frau und stieg in das Gartenbau-Geschäft ihrer Eltern ein, das er schließlich Ende der 60er Jahre übernahm. Die beiden bekamen fünf Kinder, Cousins und Cousinen meines Vaters, die in der Gegend blieben und wiederum Familien gründeten. Die Gärtnerei wollte aber keiner übernehmen und so gaben die beiden Alten das Geschäft schließlich auf. Geblieben ist ein gastlicher Ort mit vielen Blumen und Pflanzen und einer Menge Arbeit.

Ich denke an den einsamen Kaktus in meiner ansonsten pflanzenfreien Wohnung. Eigentlich kann ich es nicht auf mir sitzen lassen, bei dieser gündaumigen Verwandtschaft weiter pflanzenlos zu existieren. Woher kommt meine Angst vor Pflanzen? Reinhard Mey nahm sich die seine durch die Züchtung der Riesenblaubeere. Ein Vorhaben, das wegen eines vermeintlichen Erdölfundes kurz in Vergessenheit geriet, um schließlich ohne weiteres gewolltes Zutun zur Vollendung zu kommen. Da liegt, wie mir scheint, der Hund begraben. Das Wollen ist eine feine Sache, aber man muss schließlich vollständig vergessen, was man eigentlich wollte und scheinbar ein ganz anderes Ziel verfolgen. Dann kommt man dort an, wo man hin wollte. Andernfalls eher nicht. Also vergesse ich das Ganze und wir fahren weiter. Diesmal zu meinem Bruder und meinen Nichten. Ab jetzt bin ich Onkel. Und mein Vater wird vom Cousin zum Opa.

Über die Wupper

Die Hattinger Altstadt ist auf jeden Fall sehenswert. Mitten hinein haben sie einen Kirchturm gebaut, dessen Dach ein bisschen aussieht, wie ein schiefer Hut. Drum herum ist jeder mögliche Platz mit Häuschen bebaut, so dass man mit den Grundrissen kreativ umgehen muss. Hauptsächlich baut man unten schmal und wird nach oben breiter. Ein Sonderfall ist das Bügeleisenhaus. Der Grundriss ist dreieckig oder trapezförmig, um den Platz zwischen zusammenlaufenden Gassen nutzen zu können. Bei den notwendigen Recherchen für das Bügeleisenhaus fällt mir unweigerlich mein eigenes Bügeleisen wieder ein. Ich habe es schon lange nicht mehr benutzt. Ich kann gar nicht sagen, ob ich es überhaupt schon mal benutzt habe. Es ist jedenfalls ein Dampfbügeleisen. Ich glaube, es gibt eine bestimmte Art von Kleidungsstücken, die man mit diesem Gerät bearbeiten muss. Zurzeit besitze ich solche Kleidungsstücke nicht. Sie gehören wahrscheinlich zu einem Dresscode, der mit meiner Lebenswirklichkeit nicht viel zu tun hat.

Hattingen liegt auf der einen Seite des Wohnwagens. Auf der anderen Seite liegt Wuppertal. Durch Wuppertal fließt bekanntlich die Wupper, die für eine der rätselhaftesten Redewendungen der deutschen Sprache herhalten muss: über die Wupper gehen. Kein Mensch weiß mehr, was es eigentlich bedeutet. Die einen sagen so, die anderen so. Dessen ungeachtet und von solcherlei Fragen völlig unberührt gleitet das wichtigste Verkehrsmittel der Wuppertaler über der Wupper dahin: Die Wuppertaler Schwebebahn. Sie ist eigentlich eine Einschienenhängebahn, weil sie ja nicht wirklich schwebt sondern eben an einer Schiene hängt. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich vorstellen, ein Riese hätte die Bahn genommen und samt Schiene verkehrtherum in die Luft gehängt. Die Bahn fährt in fünfundvierzig Minuten von Oberbarmen nach Vohwinkel und ist bei den Wuppertalern überaus beliebt. Fährt man einmal hin und wieder zurück, hat man alle Wuppertaler getroffen, die es gibt.

Man erlebt hier so viel. Die Gegend hängt so eng zusammen, dass man fast übergangslos von einem Ort in den anderen gelangt. Darum gibt es hier das Sprichwort: „Mit Essen sind wir fertig. Jetzt fangen wir in Bochum an.“ In der Nacht träume ich von Wuppingen und fahre mit dem Dampfbügeleisen über die Hatter. Wir besuchen eine Verkaufsparty und ich bestelle ohne Ende: Wupperware.

Muss nicht sein

Wir sind im Wohnwagen einquartiert. Es erinnert mich an meinen Bauwagen-Urlaub und natürlich wieder an die Kindheit im Garten. Und schon möchte ich wieder einen Wohnwagen haben. Unser jetziges Quartier bietet allen Komfort mit Heizung und Satelitenfernsehen und wäre natürlich viel zu teuer. Die Heizung ist aber zur Zeit unverzichtbar, wie wir dankbar feststellen. Wenn man sich einmal in die Sitzbank gezwängt hat, will man ungern wieder aufstehen. Wir könnten einfach hier sitzen bleiben, weiter Kreuzworträtsel lösen oder Texte schreiben. Als Gastgeschenk bringe ich das letzte Buch mit. Es ist „Alles gelogen“. Eine Sammlung von Blog-Texten des vergangenen Jahres. Es steckt also schon ein gutes Jahr Arbeit darin. Außerdem enthält es noch Liedtexte aus fast drei Jahrzehnten. Aber es scheint sich doch einfach so wegzulesen. Nach spätestens drei Tagen haben sie es durch. So ist das eben. Allerdings finde ich das Echo doch sehr interessant. Was ich schreibe, ist die eine Sache. Was aber jemand liest, eine ganz andere. Ich staune immer wieder. Bin ich dafür verantwortlich? Ich schreibe nur die Worte. Ich kann doch nicht wissen, was der Leser daraus macht.

Man ist trotzdem verantwortlich. Wer etwas sagt oder schreibt, muss schon wissen, dass Worte immer etwas bewirken. Manchmal (oder meistens?) ist es nicht das, was man selbst gemeint hat. Das ist das Risiko, das man eingehen muss, wenn man nicht stumm bleiben will. Dialog bedeutet dann, einen Kompromiss auszuhandeln. Idealerweise entsteht dann am Ende etwas ganz Neues, an dem alle Beteiligten mitgewirkt haben. Darum ist man nicht allein verantwortlich. Wer liest oder zuhört, hängt mit drin.

Wie auch immer. Verbrennt so eine Propangas-Heizung eigentlich den Sauerstoff im Wohnwagen? Dann werden wir wohl bald elendiglich versticken. Aber es ist schön warm und man hat uns den Kühlschrank mit Getränken aufgefüllt. Die Gegend um Hattingen ist übrigens ein ausgezeichnetes Wandergebiet. Es gibt eine Vielzahl von gut markierten Wanderwegen mit sehr schönen Aussichten. Ich musste leider feststellen, dass die Markierungen an einigen Stellen schon verblichen sind. Ich könnte mir gut vorstellen, hier von Frühjahr bis Herbst im Wohnwagen zu leben, die Wanderwege abzulaufen und die Markierungen aufzufrischen. Man kann sich sonst sehr schnell verlaufen. Muss doch nicht sein.

Verreisen ist schön

Verreisen ist schrecklich! Verreisen beginnt mit dem Koffer packen. Was soll man mitnehmen? Alles, das ist am einfachsten. Ich habe ja nicht viele Anziehsachen. Mein Vater erzählt an dieser Stelle gern den Witz von den 13 Schlüpfern. Er habe sich 13 Schlüpfer gekauft. So könne er jeden Monat des Jahres in einen frischen Schlüpfer schlüpfen und hätte sogar noch einen zusätzlichen, um alle anderen einmal auszuwaschen. Wenn Menschen älter werden, merken sie sich nicht mehr so viele neue Witze. Dafür erinnern sie sich immer besser an die alten. Da ich auch zu den älter werdenden Menschen gehöre, muss ich nachsichtig sein. Bei meiner Wohnungssuche bin ich auf „Seniorenwohnungen“ gestoßen. Man wünsche sich Mieter ab 50, stand da. Oha.

Verreisen ist schrecklich! Man muss am Auto alles checken. Öl? Ich öffnete die Motorhaube. Ich mache das so selten, dass ich jedesmal nicht weiß, wo dieser Motorhaube-Oben-Halte-Stock ist. Dann ziehe ich den Öl-Messstab. Er ist erwartungsgemäß voller Öl. Ich wische ihn sauber, wurde auch mal Zeit. Die Behälter für Brems- und Kühlflüssigkeit sind so vergilbt, dass ich an den Markierungen keine Füllstände erkennen kann. Ich will sicherheitshalber eine Flasche Öl mitnehmen. Dann gibt es aber so viele verschiedene Öle, dass ich gleich wieder umkehre. Als ich losfahren will, wird im Display ein Schraubenschlüssel angezeigt. Gut zu wissen, wo er ist. Wir werden zweifellos irgendwo liegen bleiben. Egal. Ich habe ein Dreieck und zwei Westen. Mit der Bahn zu verreisen ist aber noch schrecklicher. Man weiß nie, wer noch alles im Zug ist. Es könnte ein Axtmörder sein oder Zeugen Jehovas. Außerdem weiß man nicht, wohin mit seinem Gepäck. Was, wenn die reservierten Plätze besetzt sind und die Besetzer einfach sitzen bleiben? Oder wenn mit der Fahrkarte etwas nicht stimmt.

Verreisen ist soooo schrecklich. Warum kann ich nicht einfach zu Hause bleiben? Nun, weil man eben hin und wieder ein Abenteuer erleben muss. Wäre man ein Baum, hätte man freilich keine Wahl. Man müsste dort stehen bleiben, wo man nun einmal Wurzeln geschlagen hat. Aber wer weiß, was die Bäume unter der Erde so alles treiben. Vielleicht sind die Bäume, die wir sehen nur ihre Häuser, aus denen sie im Frühling die grüne Wäsche raushängen. Der eigentliche Baum ist unter der Erde ständig unterwegs und muss auch andauernd Abenteuer erleben. Was die Bäume dabei erfahren, kann man sich nur ausdenken. Ich könnte erfahren, dass es im Leben noch mehr gibt als arbeiten und einkaufen. Und: Verreisen ist schön.