Reblog: Kopfrum

Manchmal muss man die Welt ein bißchen auf den Kopf stellen. Dann gehe ich morgens einkaufen und belade meinen Einkaufswagen, bis nichts mehr hineinpasst. An der Kasse ist es sehr voll. Ich muss lange anstehen. Ich lege jeden einzelnen Artikel auf das Band, denn ich habe nichts zu verschenken. Als ich endlich dran bin, scannt die Kassiererin und scannt und scannt. Manchmal muss sie etwas von Hand eintippen. Dabei kaut sie Kaugummi. Dann ist sie fertig und ruft triumphierend: Hundertfünfundsechszig fünfundsiebzig. Ich öffne mein Portemonnaie. Die Kasse springt auf und die Kassiererin zählt mir das Geld hin. Ich stecke es ein und bringe meinen Einkauf nach Hause.

Je mehr man einkaufen kann, desto mehr Geld bekommt man. Ich schaffe nicht immer so viel. Ich habe auch nicht so viel Platz zu Hause und kenne nicht viele, die mir etwas von den Einkäufen abnehmen würden. Natürlich nicht für umsonst. Manche gehen aber mehrmals täglich einkaufen und haben Geld wie Heu. Keine Ahnung, wie sie das machen. Manchmal kommt es zu Einbrüchen in Supermärkten, wobei Ganoven versuchen, ganze LKW-Ladungen Ware wieder in die Regale zu stapeln. Darauf stehen schlimme Strafen. Zu Recht.

Was macht man nun mit dem ganzen Geld?

Nun, die meisten bezahlen damit ihre Arbeitsplätze. So einen Arbeitsplatz muss man mieten und monatlich dafür abdrücken. Am teuersten sind natürlich die Arbeitsplätze, auf denen man am wenigsten tun muss. VW-Chef zum Beispiel. Dieser Posten ist aber schon wieder unbezahlbar. Ein politisches Amt kann sich dagegen fast jeder leisten. Allerdings hat man als Inhaber eines politischen Amtes keine Zeit mehr, einkaufen zu gehen und hat dann schnell kein Geld mehr, um seinen Arbeitsplatz zu bezahlen. Dann muss man zurücktreten. Darum sollte man verheiratet sein und die Partnerinnen und Partner von politischen Amtsträgern machen eigentlich nichts anderes, als einzukaufen.

Papst und Bischof sind dagegen zwei der wenigen Arbeitsplätze, die es unentgeltlich gibt. Darum müssen der Papst und Bischöfe auch nicht einkaufen. Wenn sie es doch machen, tun sie nur so, um sich mit dem Volk irgendwie gemein zu machen. Manche haben es in der Vergangenheit etwas mit dem Einkaufen übertrieben. Jeder weiß, ich meine den Bischof Tebarz-van Elst und seine goldene Badewanne. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass er eben nur so getan hat, als würde er einkaufen. In Wirklichkeit hatte er es gar nicht nötig.

Veröffentlicht: 5.11.2015

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Auf dem Kopf

Irgendwie ist der Wurm drin. Das ganze Ding läuft nicht mehr richtig rund. Erst falle ich aufs Dach, dann müssen Kollegen ins Krankenhaus oder verknicken sich im Ausland den Knöchel. Aber das ist ja alles noch gar nichts gegen das Weggesperrt-werden. Es kann einem jetzt ohne Weiteres passieren, dass man über Nacht hinter Schloss und Riegel kommt. Bis jetzt ist es nur Leuten passiert, die gerade in der Türkei waren, aber wer sagt, dass sie sich damit begnügen? Wenn es klingelt, könnte es natürlich der Nachbar sein, der sein Paket abholen will. Aber es könnten auch Erdogans Häscher sein, die mich abholen wollen. Natürlich könnte ich durch den Türspion gucken. Aber ich habe genug Mission-Impossible- Filme gesehen, um zu wissen, das man mit Latex-Masken jedes beliebige Aussehen annehmen kann. Alles steht auf dem Kopf. Das hat aber nicht nur negative Folgen. Smava bietet den ersten Kredit mit negativen Zinsen an. Wenn man sich 1000 Euro ausleiht, muss man nach drei Jahren nur 994 zurückzahlen. Wenn man das hochrechnet, braucht man nach 500 Jahren gar nichts mehr zurückzahlen. Das ist doch mal ein Geschäftsmodell. Vor einiger Zeit habe ich einen Text geschrieben („Kopfrum“), der diese Entwicklung voraussieht, ach was, der vorhersagt, wohin sie schließlich führen wird. Wunderbar.

Inzwischen hat es mehrmals geklingelt. Ich kann nicht aufmachen. Ich denke nicht daran, mich einfach so abführen zu lassen. Dafür habe das nicht alles durchgemacht, damit es jetzt so endet. Ich glaube noch, dass ich damit durchkomme. Irgendwo konnten sie einen Straftäter nicht verhaften, weil er nie zu Hause war. Aber das waren deutsche Polizisten. Türkische Agenten werden wahrscheinlich nicht so schnell klein bei geben. Ich muss also untertauchen.

Es liegt auf der Hand, dass ich hier nicht schreiben kann, wohin ich fliehen will. Falls ich es doch tue, ist es natürlich eine falsche Fährte. Der Aufwand ist gerechtfertigt, denn ich kann nicht damit rechnen, dass Mitglieder der Bundesregierung nach mir fragen werden. Bis jetzt hat sich ja auch noch keiner von denen gemeldet, um mir gute Besserung zu wünschen oder zu fragen, ob ich etwas brauche. Aber ich brauche auch nichts. Und die Türken kümmern sich scheinbar auch nicht um Protestnoten der Bundesregierung. Ich bin aufs Dach gefallen. Meine Kollegen müssen ins Krankenhaus oder verknicken sich im Ausland den Knöchel. Aber das ist noch gar nichts gegen das Weggesperrt-werden. Alles steht auf dem Kopf.

Stasi-Trick

Also beim Lila-Bäcker werden sie jetzt aggressiv. „Ich hätte gern diese…“ „Kornstange?“. „Ja bitte“. Dann: „Haben sie eine Kundenkarte?“ „Nein.“ Warum nicht?“ Ich wurde rot. Warum hatte ich denn keine Kundenkarte? Hatte ich sie zu Hause vergessen? Nein, besser verloren. „Ich habe meine Kundenkarte verloren.“ Gesicht verzieht sich. Und dann anfangen, zu weinen. Nicht mehr sprechen können. Hysterisches Schluchzen, minutenlang. Was hätte die strenge Verkäuferin da wohl gemacht? Ich habe nicht gefragt, aber was soll ich denn mit einer Kundenkarte? Ich war zum ersten Mal in meinem Leben bei einem Lila-Bäcker. Und zum letzten Mal. Jedenfalls bei diesem. Ich wollte mir ein Brötchen kaufen. Ein Brötchen kaufe ich vielleicht einmal im Monat. Wenn ich dafür erst einen Antrag ausfüllen muss, verzichte ich lieber auf das Brötchen.

Angeblich kann man beim Einkaufen mit einer Kundenkarte Geld sparen. Das ist ein schöner Trick, auf den ich bisher noch nicht hereingefallen bin. Geld sparen kann man nämlich nur, wenn man gar nicht einkauft. Es ist völlig gleichgültig, ob ein Brötchen dreißig Cent kostet oder nur fünfundzwanzig. Ich besitze ein großes Marmeladeglas voller Centstücke, mit denen ich alle Brötchen bezahlen könnte, die ich noch bis an mein Lebensende kaufen werde. Bei jedem Einkauf bekomme ich solche Centstücke, die ich einfach nicht wieder los werde. In diesem immer größer werdenden Kupferklumpen ist mein gesamtes Vermögen gebunden und ich weiß einfach nicht, wie ich es liquidieren könnte, ohne dabei blödsinnig zu werden oder ein Sparkassenkonto zu eröffnen. Die Sparkasse hat Automaten, in die man das Klumpengeld hineinschmeißen kann. Dann wird es dem Konto gutgeschrieben. Leider nicht meinem, denn das macht die Sparkasse nur für ihre Kunden. Die Kundenkarte haben die schon viel länger und irgendwie scheint mir das Sparkassenkonzept lebensnaher als das vom Lila-Bäcker.

Der Normalfall sind solche Automaten nicht. Aus normalen Geldautomaten kommen Geldscheine heraus. Der erste Geldautomat wurde vor 50 Jahren in Großbritannien aufgestellt. Die Kreissparkasse Tübingen zog knapp ein Jahr später nach. Ich glaube, die DDR-Sparkasse in Ost-Berlin hatte Ende der 1980er Jahre auch schon Geldautomaten. Dafür brauchte man eine spezielle Geldkarte. Es wäre doch ein schöner Sciencefiction-Stoff gewesen, wie es einem Hacker gelungen ist, die Dinger so umzuprogrammieren, dass sie Westgeld ausspuckten. Es gab ja auch bestimmte Telefonzellen in Berlin, in die man nur zwanzig Pfennige einwerfen musste und dann stundenlang nach West-Berlin telefonieren konnte. Davor gab es immer lange Schlangen. Aber die Zellen waren bestimmt ein Stasi-Trick. So, wie die Kundenkarte vom Lila-Bäcker.

Inhalt, Inhalt, Inhalt

Ich hatte mich hingesetzt, um schnell noch einen Text zu schreiben. Da war es noch hell. Schon nach kurzer Zeit musste ich mir eingestehen, dass ich überhaupt nicht schreiben kann. Ich schaute mich statt dessen ein bisschen im Internet um. Vielleicht komme ich ja auf Ideen. Diese Schulz-Sache ist aber einfach kein Thema für mich. Oder doch? Er bezichtigt Angela Merkel eines Anschlags auf die Demokratie, weil sie nicht sagt, welche Inhalte ihre Politik haben wird. Aber gerade das finden die Wähler doch offenbar gut. Wenn es anders sein sollte, werden sie doch SPD wählen. Ich glaube aber nicht, dass das passieren wird. Inhalte werden allerdings völlig überbewertet und nicht nur von Herrn Schulz oder von der SPD. Wenn es in der Politik neuerdings um Inhalte gehen soll, dann weiß ich auch nicht weiter. Und welchen Inhalt hat denn dann der Inhalt? Ist irgendwann Schluss, oder ist Inhalt so etwas wie eine endlose Matroschka-Puppe? Dreht sich der ganze Inhalt nicht nur um sich selbst?

Wie gesagt, kein Thema für mich. Es dauerte nur ein paar Minuten und ich hatte einen zehntägigen Ostseeurlaub gebucht und eine Reiserücktrittsversicherung beim ADAC abgeschlossen. Bei so was bin ich ganz fix. Geschrieben hatte ich immer noch nichts. Internet ist gefährlich. Die Hotelkosten wurden sofort von meiner Kreditkarte abgebucht. Darüber bin ich ganz froh, denn es versaut mir immer den ganzen Urlaub, wenn ich hinterher noch irgendwo bezahlen muss. Ich könnte den PIN vergessen, die Karte funktioniert nicht oder etwas viel Schlimmeres passiert. Dieses Problem habe ich also geschickt umgangen. Ich bekam auch gleich eine Mail vom Hotel, in der sie sich bedankten und mir schrieben, dass sie das Geld auf jeden Fall behalten würden, ob ich nun käme oder nicht. Ich könnte es auf gar keinen Fall zurück bekommen. Darum die Versicherung. Jetzt bin ich gespannt, was passiert, wenn meine Kreditkarte merkt, dass sie ihr Geld von mir auch nicht zurückbekommt. Das wäre ja noch schöner. Warum heißt sie denn sonst Kreditkarte?

Meine Bank wird schon wissen, warum sie mir keine richtige Kreditkarte mehr gibt. Aber diesen einen Urlaub können sie mir ruhig noch mal finanzieren. Ich freue mich jetzt doch ein bisschen über meine Buchung. Immerhin muss ich jetzt keine Gedanken mehr auf die Urlaubsplanung verwenden und kann mich bis September einfach nur freuen. Außerdem konnte ich was schreiben. War das jetzt schon Inhalt?

Ganz viel Geld

Zwischen Morgen und Abend liegt ein ganzer Tag. Den kriegen wir aber auch irgendwie rum. Das lehrt die Erfahrung. Am Morgen denkt man „OMG1, was soll ich nur den ganzen Tag machen?“ Dann ist es aber schon Abend, noch bevor man eine Antwort auf diese Frage gefunden hat. Man muss nämlich gar nichts machen. Ich bleibe gern reglos sitzen. Dazu genieße ich alkoholhaltige Getränke. Leider bedingt diese kleine Marotte recht umfangreiche Aktivitäten, um die Getränke herbeizuschaffen. Würde ich eines Tages beschließen, ohne Getränke reglos zu sitzen, entfiele jegliche Motivation zur Aktivität. Ich kann mir aber nicht vorstellen, so etwas zu beschließen, denn es würde keinen Spaß machen. Ein bisschen Spaß muss aber sein. Das Leben ist schwer genug.

Übrigens sind Menschen, die ihre Wohnung in kurzer Zeit total vermüllen keineswegs faul. Es macht einen Haufen Arbeit, ständig neuen Müll herbeizuschaffen und alles dem zweiten Hauptsatz entsprechend zu verteilen. Denn das passiert keinesfalls von selbst. Was einmal in einem Schrank oder in einer Kiste ist, bleibt auch dort, wenn man nicht Energie zuführt. Darum sieht es in meiner Wohnung auch nach mehr als sieben Jahren noch genauso aus, wie einige Zeit nach dem Einzug, als helfende Hände alles nicht entsorgte Gerümpel liebevoll verstauten. Denn ich bin faul. Ich bin stinkend faul. Ich bin so faul, dass ich die gleichnamigen Tiere oder den Koala ohne Mühe abhänge und weit hinter mir lasse. Das Einzige, was mich aus meiner Faulheit herausreißen könnte, wäre Geld.

Ja, so ist es. Es müsste aber viel Geld sein, geradezu Unmengen von Geld müsste man über mich ausschütten, damit ich mich bewege. Das ist noch nie passiert und es ist absolut unwahrscheinlich, dass es noch mal dazu kommt. Außerdem würde ich das Geld ja nur zu dem Zwecke annehmen, damit ich noch sorgloser faul sein kann. Wer will dafür schon Geld ausgeben? Dabei würde es sich lohnen, denn die Aktivität ist es, die alles Unglück auf diesem Planeten verschuldet hat. Weil ich selbst in meiner geradezu abgründigen Faulheit noch elektrischen Strom brauche, zum Beispiel um diesen Text zu schreiben, muss weiter Kohle geschürft werden. Die Kraftwerke, die den Strom daraus machen, werden zum Auspuff meines Elektroautos werden, mit dem ich meine Rauschmittel beschaffe. Mit ganz viel Geld würde ich wie Udo Lindenberg im Atlantic Kempinski wohnen. Ich müsste mich nicht mehr bewegen und die Welt wird vielleicht gerettet. Also: überlegt’s euch!

  1. Oh mein Gott

Gullydeckel

Ich vermisse meine Schubkarre. Die mit dem weißen Reifen. Außerdem vermisse ich meine schöne Leiter, meinen Transport-Hund und den Stiel meiner Axt. Ich musste alles am Bode-Museum zurücklassen, wo ich mir die dicke Goldmünze holen wollte. Es musste auf einmal alles sehr schnell gehen, weil der Alarm losgegangen war. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, wie unhandlich das Ding doch ist. Die Münze war nicht nur so groß wie ein Gullydeckel, sondern auch so schwer! Sie fiel mir fast auf die Füße, als ich sie aus ihrer Vitrine nahm. Ich dachte gleich: Also was soll denn dieser Quatsch? Da haben sie doch tatsächlich eine Münze gemacht, mit der man ja gar nicht bezahlen kann! Es steht drauf, dass sie eine Million Dollar wert ist. Wer will denn darauf rausgeben? Es ist doch nur wieder ein einziges Rumgeprotze. Also auf den Hund das Teil und ab durch die Mitte.

Um den Gullydeckel in die Schubkarre zu bugsieren, hätte ich ihn ja erst mal die Leiter runter tragen müssen. Das war mir zu schwierig. Ich könnte das Ding auch einfach runterschmeißen. Man möchte es vielleicht nicht glauben, aber dieser Alarm nervt fürchterlich und stört beim Nachdenken. Was will ich überhaupt mit dem Teil? Wenn es gelänge, tatsächlich den Geldwert von einer Million Euro da heraus zu bekommen, bräuchte ich die Erwerbsarbeit nicht mehr als Geldquelle zu missbrauchen. Wenn ich eine Million durch die Zahl meines letzten Jahreseinkommens teile, kommt rund 37 heraus. Nach 37 Jahren (in äußerster Sparsamkeit!) wäre die Million also alle und ich müsste zum Amt.

Dafür, dass ich am Ende zum Amt muss, soll ich mich jetzt hier krumm machen? Ich denke ja nicht daran. Ich bin also ohne Münze wieder raus, konnte aber meine Sachen nicht mehr mitnehmen. Dieser Alarm macht wirklich Megastress. Inzwischen habe ich in der Zeitung gelesen, dass ich das Trumm hätte zersägen und einschmelzen müssen, um es zu Geld zu machen. Ich habe nicht mal einen Fuchsschwanz, geschweige denn eine Goldsäge. Der Schmelzpunkt liegt bei etwas über 1000 Grad Celsius, die schafft mein Toaster auch nicht. Ich bin mal gespannt ob sie das Schmuckstück wiederfinden. Kleiner Tipp: Checkt mal die Gullydeckel.

Selbstversuch

Ich habe es geschafft. Mein Automechaniker drückte mir vorige Woche nach einer Reparatur die Schlüssel in die Hand und bat mich, ihn bei der nächsten Durchsicht daran zu erinnern, die Sache mit auf die Rechnung zu setzen. Gut, es war keine wirkliche Reparatur. Irgendetwas hatte mir während der Fahrt den Kühlergrill herausgeschlagen und ich war einfach nur zu blöd und zu faul, ihn selbst wieder fest zu machen. Ich hatte erwartet, dafür empfindlich zur Kasse gebeten zu werden. Aber wahrscheinlich ist dem Monteur der Grill im Vorbeigehen wieder an Ort und Stelle eingerastet und er wusste nun einfach nicht, was er da berechnen sollte. Am liebsten hätte ich ihm die Schlüssel mit samt Auto ganz da gelassen. Dann hätte die liebe Seele Ruh und ich könnte frank und frei nach Hause gehen. Aber so einfach geht das eben nicht. Ich brauche das Auto. Ich brauche es für die Beschaffung von Hefeweizen. Es muss einfach immer Hefeweizen vorrätig sein und auch anderes Zeug darf nicht alle werden. Wieso eigentlich nicht?

Mein Auto muss immer Benzin im Tank haben. Das steht so im Handbuch. Wenn einmal die Benzinzufuhr unterbrochen wird, geht irgendwas kaputt und das wird dann richtig teuer. Glücklicherweise ist der Mensch nun aber weder auf die unterbrechungsfreie Versorgung mit Hefeweizen angewiesen, noch geht ihm etwas kaputt, wenn die Margarine ausgegangen ist. Im Gegenteil. Wir sind eigentlich so gebaut, dass wir relativ lange Phasen ohne Nahrungsaufnahme überstehen können. Wieso glauben wir, dass uns alles, was wir gern konsumieren jederzeit lückenlos zur Verfügung stehen muss?

Wir glauben eben sehr leicht. Einmal hatte ich keine Kaffeesahne mehr. Ich war verzweifelt. Aber dann machte ich mir doch einen schwarzen Kaffee, kniff die Augen zu und schlürfte das Zeug hinter. Dabei wurde mir bewusst, dass ich mit geschlossenen Augen keinen geschmacklichen Unterschied zu zuvor getrunkenen Kaffees feststellen konnte. Das Zeug schmeckte fürchterlich, aber ganz genauso, wie mit Kaffeesahne. Mir schmeckt Kaffee nun mal einfach nicht! Trotzdem darf er auf keinen Fall ausgehen.

Ich könnte ja mal im Selbstversuch für den Rest der Woche einfach nichts mehr einkaufen. Bitte noch nicht nachmachen, denn das kann passieren: Wenn ich das Auto nicht mehr brauche, um das Hefeweizen heranzukarren, brauche ich es nicht zur Durchsicht bringen. Dann kriegt der Automechaniker kein Geld und macht Pleite. Dann zahlt er keine Steuern mehr und die Bundeswehr kann nicht vergrößert werden. Dann werden wir von der Türkei annektiert und werden alle Muslime, die kein Hefeweizen trinken dürfen. Das wars dann.