Die Wahrheit

Wegen der vielen Nachfragen zu meiner kleinen Sehbehinderung musste ich mir eine Geschichte ausdenken. Die geht so: Also, die Augen haben leider doch etwas abbekommen und die Augenärztin hat mich zum 2. Oktober wiederbestellt. Dann ist die OP. Beide Augen werden herausoperiert und müssen eingeschickt werden. Nach Jena. Wenn ich Glück habe, bekomme ich zu bei diesem Termin zwei Spenderaugen. Vielleicht aber auch nur eins oder gar keins. Wenn, dann auf jeden Fall nur leihweise. Mit Spenderaugen kann man zwar wieder ganz normal gucken, aber wenn man sie zumacht, sieht man die Bilder des Spenders, die ja in den Augen gespeichert sind. Das kann ganz amüsant sein oder eben auch nicht. Das kann vorher keiner wissen und den Spender kann man ja nicht mehr fragen. Auf jeden Fall machen die falschen Bilder auf die Dauer etwas mit der Persönlichkeit, darum muss man sie spätestens nach drei Monaten wieder abgeben.Dann bekomme ich meine eigenen Augen zurück.

In Wirklichkeit handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Wahrnehmungsstörung. Dass zwei Augen auch zwei Bilder machen, ist eigentlich logisch. Weil das aber nicht unbedingt hilfreich ist, wie ich gerade feststellen kann, macht die Wahrnehmung daraus eins. Alle Normalsichtigen erliegen also einer optischen Täuschung, mit Hilfe derer sie aber sicherer durchs Leben kommen. Diese Fähigkeit ist mir vorübergehend abhanden gekommen. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass ich sie neu erwerben kann. Das eigentlich Hinderliche und auch Gefährliche bei Doppelbildern ist ja, dass man sich erst entscheiden muss, welches Bild das „richtige“ ist, also wo man hinfasst oder hintritt. Ich entscheide mich jetzt immer öfter richtig. Folglich glaube ich, dass meine Wahrnehmung das überflüssige Bild irgendwann einfach wieder ausblenden wird.

Ich bin dann einer der Wenigen, vielleicht der Einzige, der mal einen Blick hinter die Kulissen der eigenen Wahrnehmung werfen konnte. Ich weiß jetzt: die Welt sieht in Wirklichkeit ganz anders aus und keineswegs besser! Ich frage mich, ob das Frau Merkel und Herr Schulz auch wissen? Merkel müsste es wissen, weil sie ja mal Physik studiert hat. Schulz weiß es ganz bestimmt aus seiner Lebenserfahrung. Aber ich bin der einzige, der es mit eigenen Augen gesehen hat: Jeden Scheißhaufen auf der Welt gibt es zweimal, aber nur einer von beiden stinkt auch. Wir entscheiden selbst, welcher für uns der Echte ist.

Advertisements

Wie es war, zufrieden zu sein

Was hat sich verändert? Der Alltag wird zurückkommen, seine Sorgen, seine Nöte und die Ärgernisse. Alles wird wieder wie früher. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht gelingt es mir ja, nicht zu vergessen, dass es mal einen Zustand gab, in dem ich einfach nur froh war, am Leben zu sein. Es spielte keine Rolle, dass ich kein Handy hatte und es war mir egal, dass ich nur ein gepunktetes Nachthemd trug, das hinten offen war. Ein Blick, ein Lächeln allein konnte mich glücklich machen. Ich sah die Gesichter der Menschen und ich kannte sie und ich war voller Vertrauen. Ich sah mir Fußballspiele im Fernsehen an, weil mein Bettnachbar es wollte und freute mich darüber. Es war – das mag jetzt befremdlich klingen – wunderbar. Ich war zufrieden und meine Seele hatte Ruhe. Mir war vollkommen klar, dass ich es nicht im Mindesten in der Hand habe, ob ich lebe oder nicht. Und da ich nun einmal am Leben war, gab es nichts mehr, was ich noch begehren konnte. Vielleicht lag es an den Medikamenten oder daran, dass ich tatsächlich noch einmal davon gekommen war oder an Beidem zusammen. Wie auch immer, es wird nicht so bleiben. Dieses Gefühl einer paradiesischen Geborgenheit wird verblassen und schließlich verschwinden. Aber ich kann mich daran erinnern.

Dass es jetzt gar nicht mehr aufhören will, zu regnen, war natürlich nicht so geplant. Davon haben auch die Fleißigen Lieschen nichts. Sie werden ertrinken und niemand kann sie retten. Aber sie waren da, wir hatten unsere Zeit und wenn die Sonne wieder auf den Balkon scheint, werden wir weitersehen. Als ich nach einer heftigen Bronchitis einmal nicht wieder mit dem Rauchen angefangen habe, habe ich viel Zeit gewonnen. Der Kopf wurde freier, weil ich nicht ständig an die Bevorratung denken musste. Wie ich jetzt feststelle, habe ich dann aber den Balkon nicht mehr genutzt, weil es offenbar ein Rauch-Balkon war. Dafür sah ich wieder mehr fern. Im Moment finde ich fernsehen noch sehr anstrengend, die Augen beginnen bald zu schmerzen und ich möchte doch lieber auf dem Balkon sitzen.

Noch vor kurzem dachte ich dann: Warum soll ich hier sitzen, wenn ich gar nicht rauche? Seit zwei Wochen denke ich das nicht mehr. Und das Beste: ich muss nicht mal Hefeweizen dabei trinken. Ich kann einfach nur dasitzen und mich freuen, dass die Sonne scheint. Das wird bald nachlassen. Aber die Sonne kommt wieder. Und dann werde ich mich erinnern, wie es war, zufrieden zu sein.

Spaß muss sein

Ich bin wieder gesund. Das verdanke ich dem neuen Arzt. Die alte Ärztin ist genauso wenig schlecht, wie sie alt ist. Sie hat nur keine Zeit und das macht mich krank. Sobald man die Praxis betrat, musste man damit rechnen, totgetrampelt oder angesteckt zu werden. Ich wähnte mich manchmal in einem abgelegenen afrikanischen Dorf, das einmal im Jahr von einer Ärztin aufgesucht wird. Die Patienten warten dann lange, um ihrer Zuwendung teilhaftig zu werden und verzichten dabei gern auch auf Privatsphäre. Ein Wandschirm genügt. Ich will es mal so sagen: Ich bin für die gute Ärztin einfach nicht krank genug. Sie ist ein paar Nummern zu groß für mich. Völlig überdimensioniert.

Meine neue Arztpraxis war am Morgen gegen 9:00 menschenleer. Zwei Schwestern erwarteten mich an der Rezeption. Dann kam der Arzt ins leere Wartezimmer, stellte sich vor und bat mich ins Sprechzimmer. Haben sie das für mich inszeniert? Oder kann man sich einfach anders organisieren? Der Doktor verwickelte mich in ein belangloses Geplauder, um dann völlig unvermittelt den Blutdruck zu messen. Aha. Hier misst der Chef noch selbst. Genutzt hat es ihm freilich nichts, ich verblüffte wie immer mit rekordverdächtigen Praxiswerten. Dann wollte er Lunge und Herz abhören. Erst sollte ich atmen, dann wieder nicht. Der Doktor legte das Stethoskop weg und bemerkte beiläufig, so eine Herzklappe sei ja heute auch kein Problem mehr. Früher wäre das ein riesiger Eingriff gewesen, voller Risiken und Nebenwirkungen. Aber heute würde einfach ein kleiner Schnitt gemacht und ein Schlauch eingeführt, das sei schon beinahe alles.

Dann suchte er etwas in einer Schublade. Den Schlauch? Ein Skalpell? „Aber Sie brauchen das nicht!“ rief er plötzlich. „Alles in Ordnung!“. Offenbar hatte er nicht gefunden, was er suchte. Bei aller Liebe zur Technik seien die eigenen Herzklappen immer noch die besten, wenn sie gut funktionieren. Na also. Im Wartezimmer war inzwischen eine zweite Patientin angekommen. Sie wurde aufgerufen und machte sich mit ihrem Rollator auf den Weg. Der Doktor erwartete Sie vor seinem Zimmer, nicht ohne sie zu ermahnen, nicht so zu rasen. Auf dem Flur seien nur 30 kmh erlaubt. Die Patientin konnte zwar nicht darüber lachen, meinte aber: „Hmmm. Spaß muss sein. Nicht?“

Alles Gute!

Ich glaube, ich werde langsam erwachsen. Hobbits werden ja mit 52 Jahren volljährig. Ich habe also entweder noch ein bisschen Zeit oder ich bin frühreif. Jedenfalls habe ich es schon wieder getan: Ich bin zum zweiten Mal aus meiner Hausarztpraxis entwichen, obwohl ich einen Termin zur Wiedervorstellung hatte. Diesmal schon nach ungefähr 90 Minuten. Außerdem war es viel schwieriger, als beim letzten Mal. Da saß ich im Wartebereich und musste nur kurz an am Tresen mit der Schwester vorbei. Seit diesem Ereignis haben sie ihre Strategie geändert und führen die Patienten nach spätestens einer Stunde Wartezeit irgendwo hinein. Erst war es der Frühstücksraum der Schwestern. Neuerdings ist durch eine Glaswand mit Tür ein Behandlungsraum abgeteilt. Dorthinein setzten sie mich. Ich wurde von zwei Schwestern bewacht. Eine saß direkt hinter der Glaswand und versteckte sich hinter einem Monitor. Als ich aufstand und mich für die angenehme Gesellschaft bedankte, kam sie dahinter hervor und ließ mich nicht gehen, ohne mir einen neuen Termin zu verpassen.

Ich frage mich was mit dieser Behandlung erreicht werden soll. Kann es sein dass die Ärztin einen Vertrag mit Apotheke und Pharma-Unternehmen hat? Denn nachweislich bekomme ich durch dieses Verfahren regelmäßig Blutdruck-Meßwerte, die eine medikamentöse Behandlung indizieren. Das verschriebene Medikament wiederum hat keine messbare Wirkung. Die Meßwerte schwanken fröhlich zwischen rotem und gelbem Bereich und verändern sich von Messung zu Messung. Sie folgen eigentlich nur dem Heisenbergschen Gesetz der Unschärferelation. Mir ist nun folgendes klar geworden: Eine Hausarztpraxis und ich gehören nicht zusammen. Ich kann sie einfach nicht gebrauchen. Ich werde andauernd zu Terminen einbestellt, aber die Ärztin hat gar keine Zeit. Warum bestellt sie mich dann? Mir fehlt doch gar nichts. Wenn ich krank bin und einen Schein brauche, ja, warum soll ich nicht ein paar Stunden lang darauf warten. Danach lege ich mich ins Bett und werde wieder gesund. Wenn ich aber gesund bin, und das bin ich meistens – warum soll ich mich dann stundenlang in eine Arztpraxis setzen und Bluthochdruck produzieren?

Folglich habe ich für den neu vereinbarten Termin zwei Möglichkeiten: 1.) Ich gehe zum Termin hin, warte wieder zwei Stunden und erkläre dann meiner Ärztin, warum sie nicht länger meine Ärztin sein kann und verabschiede mich mit den besten Wünschen für ihre Zukunft. Ich will ihr ja aber erklären, dass mir meine Zeit zu schade ist, um sie im Glaskasten zwischen zwei überforderten Schwestern abzusitzen, die nicht mal mit mir sprechen. Darum kommt 1.) nicht in Betracht. 2.) Ich komme zwei Stunden später, als bestellt und verlange sofort vorgelassen zu werden. Wenn es nicht geht, verabschiede ich mich von der Sprechstundenhilfe und lasse die Grüße ausrichten. Alles Gute!

E-Pipe

Eines Tages werde ich meine Bilbo-Beutlin-Tabakspfeife wieder in Betrieb nehmen. Ich habe sie jetzt schon immer wieder mal in der Hand und nuckele hin wieder dran. Ich freue mich sehr darauf. Vielleicht warte ich noch, bis wir wieder Balkon-Wetter haben, aber eigentlich ist das nicht notwendig. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich sie gerade neu gekauft hatte. Ich zog mir jeden Abend eine Bilbo-Pfeife rein. Man kann daran bis zu einer Stunde und länger rauchen und danach hat man wirklich erst mal genug. Es ist ein wunderbarer Zeitvertreib.

Als Kind hatte ich eine Spielzeug-Tabakspfeife und ich ersuchte um die elterliche Erlaubnis, sie zum Fernsehabend am Wochenende spielrauchen zu dürfen. Die Erlaubnis wurde verweigert. Meine Mutter hatte mal geraucht und mein Vater musste viel Geduld aufbringen, bis sie es bleiben ließ. Ich war einmal mit ihr zusammen im Kinderferienlager in Prebelow, wo sie als Krankenschwester eingesetzt war. Dort fuhr sie mit mir auf den See und lies mich an ihrer Zigarette ziehen. Sie glaubte, mir würde davon so schlecht werden, dass ich für immer Antiraucher sein würde. Aber mir wurde gar nicht schlecht und es gefiel mir. Ein zeitlang meinte ich sogar, dass ich aus medizinischen Gründen rauchen müsste. Ärzte sollten es mir bescheinigen. Dann müssten es die Eltern erlauben. Leider gab es damals bei uns keine kompetenten Ärzte, die zur Ausstellung solcher Atteste in der Lage gewesen wären.

Apropos Spielzeug-Tabakspfeife: Ich habe tatsächlich einen Gegenstand in meinem Besitz, der das alte Spielzeug von damals perfektioniert. Es ist eine E-Pipe, eine elektrische Pfeife. Ich habe noch verschiedene Liquide dazu (alle ohne Nikotin) und konnte tatsächlich sofort wieder spielrauchen. Der Clou: es qualmt und es beschäftigt die Geschmacksrezeptoren. In den Pfeifenkopf kommt die Batterie und wenn man zieht, geht ein rotes LED-Licht an. Wirklich schön, besonders, wenn man das Licht aus macht. Natürlich kann man damit nur paffen und das chemische Zeug ist wahrscheinlich genauso giftig, wie Tabak, oder sogar schlimmer. Optisch ist es aber von allem E-Rauch-Zeugs am überzeugendsten. Wenn das LED-Licht schnell blinkt, sollte man die Batterie aufladen.

Steak mit Bohnen

In meiner Garage liegen zwischen anderen alten Sachen ein Paar Skier. Ich kann mich kaum noch erinnern, wann ich sie das letzte Mal benutzt habe, aber ich weiß sicher, dass ich schon mal mit ihnen unterwegs war. Das Land lag unter einer dicken Schneedecke. Das kann jetzt wieder passieren. Ich muss nur noch die Schuhe finden, denn ohne die Schuhe funktionieren die Bindungen nicht. Wenn es dann noch einen Tag lang ordentlich schneit, kann es losgehen. Mit Skiern verbinde ich immer Langlauf. Etwas anderes habe ich nie gemacht. Ich war mal mit Jugendlichen in den Bergen. Sie enterten die Piste. Ohne mich. Ich musste laufen. Ich lief damals sogar mit 39 Fieber, keine Ahnung, wie ich das gemacht habe.

Viel früher war ich mit meinen Eltern in Oberhof. Es war   d e r   Winter, ich glaube 78/79. Und wir liefen. Natürlich muss man auch beim Langlauf Berge hoch und runter fahren. Ich war vorne und kam gerade noch vor einem umgestürzten Baum zum Stehen. Hinter mir kamen die Eltern. Ich rief, ich brüllte, ich ruderte mit den Armen – und sie hielten sicher und unverletzt. Das war kurz vor meiner Geburt. Es hätte nicht viel gefehlt und dieser Text würde nicht hier stehen. Es gäbe mich nicht. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Dabei fällt mir ein, dass wir im Familienkreis gerade die Tatsache diskutiert haben, dass der inzwischen verstorbene Bruder meines Vaters in Berlin-Neuköln geboren wurde. Was machte meine Großmutter 1938 in Berlin? Niemand fand eine Erklärung dafür. Ich warf ein, dass es ja eine relativ neue Mode ist, bei der Geburt eines Kindes dabei zu sein. 1938 war das jedenfalls noch nicht die Regel.

Wie auch immer, heute bin ich froh, dass es mich gibt. Ich muss zwar essen und trinken, was mit einer Menge Aufwand verbunden ist, aber das nehme ich in Kauf. Außerdem muss ich in meinem Alter inzwischen eine Menge Gymnastik machen. Zu den Schultern kommt jetzt Hals- und Brustwirbelsäule. Das hatte ich früher alles nicht. Gerade gestern früh habe ich ein neues Trainingsgerät gekauft. Diesmal liegt wunschgemäß eine DVD bei. Allerdings auch ein Ernährungsplan. Das finde ich interessant. Der Plan ist für sieben Tage und beinhaltet fünf Mahlzeiten pro Tag. Heute gäbe es ein gekochtes Ei und eine Scheibe Vollkornbrot zum Frühstück. Zum zweiten Frühstück zwei Äpfel. Mittag: Steak mit Bohnen. Am Nachmittag eine Banane. Zum Abend eine Gemüsesuppe. Nicht schlecht!

Beneidenswert

Ich habe eine Zeitlang Sympathien für eine Gemeinschaft gehegt, die nicht so richtig nachgefragt war. Ich war damals sehr jung. Die Mitglieder waren es nicht. Sie waren aus meiner damaligen Perspektive sehr alt. Bei den wenigen Treffen der Gemeinschaft sprach man über diejenigen Mitglieder, die nicht mehr zu den Treffen kommen konnten, weil sie noch älter waren. Wie gesagt, ich war jung. Ich war sogar so jung, dass sich Frauen für mich interessierten, die zehn Jahre jünger waren, als ich. Na ja, eine wenigstens. Sie war meine Geliebte und ich wollte sie heiraten. Ich nahm sie zu einem der Treffen mit. Thema waren die gebrechlichen Mitglieder, die nicht mehr kommen konnten und ihre schlimmen Krankheiten. Meiner schönen Freundin war unmittelbar anzusehen, dass sie dergleichen noch nie im Leben gehört hatte und auch nicht länger und nie mehr wieder hören wollte. Es fehlte wohl nicht viel und sie hätte laut geschrien. Sie schrie aber nicht und ich ging nicht mehr zu den Treffen.

Ich kann also nachempfinden, dass es als unpassend und ungehörig aufgefasst werden kann, wenn jemand zu detailliert über seine Gebrechen berichtet. Ich wollte mit dieser kleinen Geschichte auch nur einen kurzen Bericht über den Stand meiner Schultergymnastik einleiten. Ich habe bei meinem letzten Arztbesuch im alten Jahr ein Papier bekommen, auf dem verschiedene Übungen durch Abbildungen beschrieben sind. Das Neue Jahr schien mir doch ein schöner Anlass, damit anzufangen. Seit fast einer Woche übe ich nun und ich kann schon fast alle Übungen auswendig. Ich muss es gleich nach dem Aufstehen machen, sonst wird es nichts mehr. Ein paar gutgemeinte Ratschläge stehen in dem Papier. Zum Beispiel: „Niemals gegen den Schmerz üben“. Für mich liest sich das wie: „Niemals gegen den Schmerz üben.“ Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob ich es wirklich so ausführe, wie gedacht. Hier wäre eine Videoanleitung hilfreicher. Die gibt es natürlich auf YouTube, aber wer vertraut schon allein YouTube. Ich will es  von meiner Ärztin sehen, wie sie die Übungen dort vormacht. Da kann sich noch sehr viel entwickeln.

Gerade gestern habe ich einen Mann gefragt, den ich als „geistig behindert“ kategorisiere, ob er jung oder alt sei. Ich kenne sein Geburtsdatum, er wurde mehr als zehn Jahre vor mir geboren. Seine Antwort war: „Na jung. Nein, alt. Ich weiß es nicht.“ Dann fragte ich ihn, ob ihm etwas weh tue, was er verneinte. Dass er auf die zweite Frage so antworten kann, finde ich beneidenswert. Und er macht ganz bestimmt keine Schultergymnastik!