One way

Vor etwa 135 Millionen Jahren spaltete sich Gondwana von Laurasia ab. Gondwana trieb in der Folge nach Süden, während Laurasia nach Norden wanderte. Auf seinem Weg teilte es sich dann in Nord- und Südamerika sowie Eurasien. Weil die Erde annähernd kugelförmig ist, wird alles letzten Endes wieder irgendwo zusammenstoßen. Das ist der Lauf der Welt. Normalerweise geht das alles so vor sich, dass diese Vorgänge dem einzelnen Gehirn verborgen bleiben. Gehirne schauen aus ihren Fenstern auf ihre Welt und denken, sie bewegt sich gar nicht. Sie bewegt sich aber doch. Man kann sich das etwa so vorstellen, wie den Bau eines Flughafens. Als Zeitzeuge denkt man vielleicht: Donnerwetter! Da passiert ja gar nichts! Aber so ein Flughafen entsteht nun mal in der Geschwindigkeit, in der Fingernägel wachsen. Und das ist gut so. Mit dem Bau des Kölner Doms wurde 1248 begonnen. 1868 war er immer noch nicht fertig! Eine Bauruine, deren Abriss von Ungeduldigen immer wieder erwogen wurde. Das ist aber zu kurz gedacht, denn abreißen geht auch nicht viel schneller.

Das einzige, was ein menschliches Gehirn in Echtzeit erleben kann, ist vielleicht der Zerfall eines Gemeinwesens: Wenn sich Katalonien von Spanien abspaltet, passiert das in Zeiträumen, die wir einigermaßen überschauen können. Die Welt schaut gespannt zu. Wenn das gelingt, könnte es passieren, dass auch Bayern seine Unabhängigkeit erklärt. Dann sehen wir alt aus, denn wir leben ja ganz gut vom Geld aus Bayern. Woher haben die eigentlich soviel Geld? Es hat zweifellos irgendwas mit Hefeweizen zu tun. Der Bayer sagt dazu übrigens „Weißbier“. Das klingt wie „Weißbrot“ und der Bayer meint es auch so. Weißbier trinkt man in Bayern zum Frühstück. Ich fand das schon immer sehr sympathisch. Zwischen Frühstück und Mittag ist überhaupt die beste Zeit zum Bier trinken. Am Nachmittag macht es einfach nur unglaublich müde und wenn man dann am Abend hastig die Menge nachtrinkt, die man tagsüber versäumt hat, verdirbt es einem den Nachtschlaf.

Was die Katalanen üblicherweise trinken wissen wir nicht. Jedenfalls kein Weißbier, obwohl Weißbrot dort auch sehr verbreitet ist. Wie auch immer finde ich die mehr oder weniger gewaltfreie Spaltung eines Staatskörpers als politische Lebensäußerung viel akzeptabler als die Spaltung von Atomen. Sollen sie doch alle unabhängig werden und meinetwegen ihr ganzes Geld behalten. Wenn sie nur nicht ständig damit drohen, einem eine Atombombe auf den Kopf zu schmeißen. Wenn der senile Greis und der kleine Raketenmann so weiter machen, gewinnen sie Freitickets für einen Flug mit der SpaceX BFR zum Mars. One way.

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Eigentlich

Es ist eigentlich keine große Kunst, im richtigen Moment abzugehen. Man muss nur die Augen offenhalten und eins und eins zusammenzählen können. Dann winkt man noch mal und lacht – und dreht sich um und geht seiner Wege. Aber je mehr und je länger man im Rampenlicht steht, desto mehr verliert man scheinbar die Fähigkeit dazu, bis sie ganz und gar verschwunden ist. Dem SED-Politbüro ist es so gegangen. Wer weiß schon, was alles möglich gewesen wäre, wenn für die alten Männer rechtzeitig die jungen Mädchen gekommen wären. An dieses SED-Politbüro musste ich denken, als Angela Merkel und die CDU-Führung am vergangenen Sonntag vor den Kameras standen und sagten, sie wüßten eigentlich nicht, was sie jetzt groß anders machen sollten. Ich fand das gruselig. Das Land vergreist. Die Jungen gucken YouTube oder hauen ab. Und ich gucke mir das alles mit wohligem Schaudern im Fernsehen an.

In manche Ämter ist der Schleudersitz ja eingebaut. Man kann bis zum Schluss sitzen bleiben und ausprobieren, ob man weich landet. Oder man steigt rechtzeitig ab, wie Joachim Gauck zum Beispiel. Ich finde das auf jeden Fall schlauer. Ich überlege mir sogar, ob ich nicht auch mit sofortiger Wirkung von meiner Erwerbsarbeit zurücktreten sollte. Ich bin jetzt schon so lange dabei und es wird immer unwahrscheinlicher, dass ich da noch etwas in Bewegung bringe. Es wird Zeit für die jungen Mädchen! Sie singen so schön. Aber wahrscheinlich würde mir das gar nicht gut tun. Irgendwann hat man ja mal ausgeschlafen und dann will man irgendwas machen. Es ist gar nicht so schlecht, dass es doch verschiedene Orte gibt, an denen ich einen Platz habe und Aufgaben, die außer mir erst mal keiner erledigt. Wenn das nur Lidl und Edeka und Bad putzen und Flaschen wegbringen wären, bekäme ich sicher bald Schwierigkeiten mit mir selbst.

Für Menschen, die in der Politik Verdienstvolles geleistet haben, ist es bitter, wenn sie am Ende dabei vor die Hunde gehen. Aber so ist das eben: Große Leistungen brauchen viel Zeit und je mehr Zeit vergeht, um so schwieriger wird das Loslassen. Man kann auch nichts loslassen, das man nicht erst mal festgehalten hat. Man darf es eben nicht zu fest halten, aber zupacken muss man schon. Alles nur eine Frage der richtigen Spannung zur richtigen Zeit. Alles ganz einfach. Eigentlich.

Spätestens Sonntag

Bis zu den nächsten Bundestagswahlen muss ich mir also irgendwie die Zeit vertreiben. Weil mir nichts Besseres einfällt, bestelle ich Zeugs im Internet. Da ist zum Beispiel eine Mütze mit eingebauten Bluetooth-Kopfhörern. Als das Paket endlich da ist, studiere ich das Handbuch. Dort steht, dass man die Kopfhörer aufladen soll und drei Sekunden für Power on und fünf Sekunden für das Pairing auf einen Knopf drücken soll. Die Kopfhörer selbst steckt man dann durch Löcher in der Mütze in der Höhe der Ohren. Die Mütze gibt es in einer Einheitsgröße. Ich setze sie auf und will mich im Spiegel betrachten – aber das Bild ist weg. Auf den Ohren: Perfekter Sitz. Nur die Augen sind verdeckt. Offenbar habe ich keinen Einheitskopf. Meine Augen befinden sich im Verhältnis zu meinen Ohren an der falschen Stelle. Ich könnte jetzt dort, wo meine Augen sitzen Löcher in die Mütze schneiden. Davon steht aber nichts im Handbuch. Als es mir gelingt, unter dem Mützenrand hervorzulugen, sehe ich im Spiegel, dass ich eine Art Mitra trage: Turmhoch und spitz ragt das Teil in die Höhe. An der Stelle, wo früher meine Ohren waren, befinden sich kartoffelartige Verdickungen, deren linke hektisch blau blinkt.

Ich brauche die Mütze sehr dringend, weil ja jederzeit ein Wähler anrufen könnte, dem ich Rede und Antwort stehen muss. Nicht immer habe ich dann gerade die Hände frei, um bei jedem Klingeln zum Telefon zu greifen. Wenn ich keine Mütze trage, muss ich mir nämlich mit beiden Händen die Haare aus den Augen halten. Der Wähler möchte dann vielleicht wissen, wie ich dieses oder jenes Problem zu lösen gedenke. Ich würde nicht müde werde zu erklären, dass ich keine Ahnung hätte. Politik wird ja gern mit einem Warenhaus verwechselt und der Stimmzettel mit einem Problemlösungskatalog, auf dem man seine Wünsche ankreuzen kann. Politik ist aber etwas ganz anderes, nämlich ein Aushandlungsprozess, bei dem nicht feststeht, was am Ende herauskommt. Es gibt nur Kompromisse und keine Garantien. Sein Kreuz muss man bei demjenigen machen, von dem man denkt, dass er oder sie diesen Prozess am besten gestalten kann. Leider fragt niemand, wie man denn so im Prozess gestalten sei und warum man meint, dass man gerade das besonders gut könne.

Es rufen aber keine Wähler an. Das ist logisch, denn für diese Bundestagswahl kandidiere ich ja noch gar nicht. Aber die blau blinkende Kartoffelmütze kann ich ja trotzdem aufsetzen. Es soll nämlich bald wieder kälter werden. Spätestens Sonntag.

https://youtu.be/eLRPQhMyj5M

Mein Wahlprogramm

Während ich mich schon mal auf meine zweifellos sehr anstrengende Parlamentsarbeit vorbereite, muss ich mir eingestehen, dass es noch nicht so richtig klar ist, wie ich an die zweihundert Unterschriften aus meinem Wahlkreis kommen soll. Vielleicht sollte ich mir doch einen anderen Wahlkreis suchen. Meiner ist bei großer Fläche doch recht dünn besiedelt. In Pankow gibt es zum Beispiel mehr als doppelt so viele Wähler in einem viel kleineren Gebiet. Wenn ich mich an der Schönhauser Allee vor die U-Bahn stelle, habe ich die zweihundert Unterschriften in einer Woche zusammen. Wenn ich dann so auf den neuen Wahlzettel komme, bleibt es trotzdem extrem unwahrscheinlich, dass ich an allen vorbeiziehe und das Direktmandat in Pankow erringe. Es ist sogar unwahrscheinlich, dass ich wenigstens zehn Prozent kriege. Wenn ich dann unbezahlten Urlaub genommen und Plakate gedruckt habe, bekomme ich keinen Cent erstattet. So wird das also nichts.

Was sollte ich auch ausrichten, ganz allein im Deutschen Bundestag? Ich würde versuchen, meine Abgeordneten-Kolleginnen und Kollegen vom bedingungslosen Grundeinkommen zu überzeugen. Das wird schwierig werden, denn die Berufsparlamentarier brauchen das natürlich nicht. Als Fraktionsloser hätte ich auch ein paar Nachteile, zum Beispiel in Ausschüssen kein Stimmrecht, aber ich würde nicht in eine Fraktion eintreten. Das habe ich meinen Wählern versprochen, dafür haben sie mich gewählt. Stattdessen würde ich dafür eintreten, dass das Wahlgesetz dahingehend geändert wird, dass eine gerichtlich bestellte Betreuung für die Wahlberechtigung keine Rolle mehr spielt.

Das wäre dann schon in den Grundzügen mein Wahlprogramm. In den nächsten vier Jahren bis 2021 hätte ich Zeit, es auswendig zu lernen und mir den vielversprechendsten Wahlkreis auszusuchen. Gleichzeitig geht es natürlich darum, schon mal genügend Wähler zu mobilisieren. Jawohl, nach der Wahl ist vor der Wahl. Der Kampf geht weiter. Er hat neu begonnen. Ich habe mich auch schon entschieden, auf Plakate zu verzichten. Ich will diesmal allein durch meine Bekanntheit und Popularität überzeugen. Die Unterschriften werde ich online über meine Website einsammeln: Wer mich unterstützen will trägt seine Adresse in eine Liste ein. Der Wahlkreis, aus dem zuerst zweihundert Adressen stehen, gewinnt! Wenn ich dann gewählt bin, können sie sich im Bundestag schon mal warm anziehen, denn im Kern geht es natürlich darum, den Berufspolitikern die Sessel zu besetzen und dann müssen sie in die Produktion. Oder meinetwegen in die Pflege.

Was wir verdienen

Aus irgendeinem Grund tun jetzt alle so, als ob sie vergessen hätten, wie das mit den Bundestagswahlen in Deutschland funktioniert. Warum ist der Wahlkampf so auf die Spitzenkandidaten ausgerichtet? Die wähle ich doch gar nicht. Der junge Mann aus der Wahlkampfarena mit Frau Merkel wird sehr gelobt, aber warum hat er das alles Frau Merkel erzählt? Die will ja Bundeskanzlerin werden und dafür muss sie erstmal gewählt werden. Das müssen die Abgeordneten machen, die wir direkt wählen. Ich müsste also meine Wahlkreisabgeordneten fragen, wen sie gegebenenfalls zum Bundeskanzler wählen würden. Bevor sie das tun, muss der Bundespräsident aber einen Vorschlag machen. Der Herr Steinmeier könnte also theoretisch den Abgeordneten Schulz zur Wahl vorschlagen. Es könnte sogar passieren, dass Schulz eine Mehrheit kriegt, dann aber mit Stimmen von AfD und Die Linke. Das wird Steinmeier nicht wollen und darum wird er Merkel vorschlagen. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass dann eine Mehrheit mit Nein stimmt und Merkel folglich nicht gewählt wird. Dann kann der Bundestag seinen eigenen Kanzler wählen, wobei dann wahrscheinlich die stärkste Fraktion den Vorschlag macht, also wieder Merkel. Dann könnte Steinmeier sie schlussendlich nur mit den CDU/CSU-Stimmen regieren lassen oder den Bundestag auflösen. Dann gäbe es Neuwahlen.

Bei Facebook gab es einen Post, der vorschlug, Politiker ein Pflegepraktikum machen zu lassen, bevor sie über die Pflege etwas entscheiden. Daran kann man sehen, wie weit sich die Ideen auch in den Köpfen der Menschen von den demokratischen Idealen entfernt haben. Denn ursprünglich war es ja die Idee einer Volksvertretung, dass in einem Parlament eben das ganze Volk vertreten ist, also auch Pflegekräfte. Die Diäten waren dafür gedacht, dass sich ein Krankenpfleger für vier oder acht Jahre freistellen lassen kann, um Politik zu machen – aber nicht, um Berufsparlamentarier zu werden. Man muss den jungen Mann aus der Arena also fragen, ob er sich nicht vorstellen kann, sich auch parteilos als Direktkandidat zu bewerben. Aber vielleicht tut man ihm damit auch Unrecht und zu allererst muss sich das jeder selbst fragen. Wenn wir denken, wir könnten Politik wie eine Dienstleistung bestellen, werden wir kriegen, was wir verdienen.

Also, für diese Wahl habe ich es erst mal verpasst. Aber falls es dann doch Neuwahlen geben sollte, ist das meine Chance. Ich habe zwar noch kein richtiges Programm, aber das haben die Parteien schließlich auch nicht. Ohne Unterstützung einer Partei ist es allerdings noch keinem unabhängigen Kandidaten gelungen, in den Bundestag zu kommen. Es wird also Zeit.

Bitte, sagen Sie was

Das Ostseebad Binz ist das größte Seebad hier in der Gegend und gibt für Wortspiele außer „Hallo, ich Binz“ nicht viel her. Sofern man sich in der Nähe einer der anderen Seebrücken aufhält, ist Binz am bequemsten auf dem Wasserweg zu erreichen. Gleich nach Betreten des Dampfers empfiehlt es sich, die Kombüse im Unterbauch des Schiffes aufzusuchen, weil es dort am wenigsten schaukelt. Dann sollte man sich noch einen der Haltegriffe besorgen, die es am Tresen gibt und die zum Beschweren mit Bier gefüllt werden. Dann einen Platz suchen und gut festhalten. Jetzt gibt es eigentlich keinen Grund mehr, seinen Platz zu verlassen, es sei denn, das ganze Bier ist aus dem Haltegriff herausgeschwappt, was wegen der Schaukelei leider andauernd der Fall ist. Darum trinken geübte Seefahrer schon immer gleich einen ordentlichen Schluck ab, bevor das Schiff überhaupt losfährt. Leider wird bei solchen Übungen der Griff schnell leer und viel zu leicht, so dass man ihn wieder zum Beschweren geben muss. Das kann eine ganze Weile so gehen, so dass man während der ganze Fahrt eine schöne Beschäftigung hat und keine Langeweile aufkommt. Wenn man dann in Binz von Bord geht, stellt man fest, dass es stimmt, was viele Seeleute beschreiben: Das Schaukeln geht an Land weiter, was zu dem seltsamen, breitbeinigen Gang führt, mit dem ich versuche, die Seebrücke zu verlassen.

Für den Landweg wählt man am besten den Rasenden Roland. Dabei handelt es sich eigentlich um ein Epos von Ludovico Ariosto aus dem Jahre 1516 (Orlando Furioso), in dem Roland (Orlando), ein Neffe Karls des Großen, über seiner Liebe zu einer chinesischen Prinzessin, die an den Hof des Kaisers kommt den Verstand verliert. Sein Freund Astolfo bringt den Verstand Rolands später in Gestalt einer Fackel zurück. Antonio Vivaldi machte bis 1727 aus dem Stoff eine Oper in drei Akten und die Rügensche Kleinbahn AG ab 1895 eine Bahn. Letztere hatte für die Insel Rügen einige ökonomische Bedeutung und ist heute zumindest eine Touristenattraktion aber auch ein schönes Eisenbahndenkmal.

So oder so wird man in Binz darüber informiert, dass die Kanzlerin in den nächsten Tagen in den Ort kommen wird, um dort zu sprechen. Jana Hensel war mit ihrem Sohn vor ein paar Tagen in Finsterwalde dabei und hat bei Zeit Online einen Offenen Brief an Frau Merkel geschrieben. Und sie hat recht (und das gilt auch für Herrn Schulz): Bitte, sagen Sie was zu den Schreihälsen und Trillerpfeifen in Binz und überall. Wir brauchen das.

Gruß und Kuss

Ich will Postkarten schreiben. Postkarten gibt es ja überall. Das Angebot ist so überwältigend, dass Tage vergehen können, bis man endlich welche in den Händen hält. Ich frage nach Briefmarken. Ja, man habe gerade heute morgen welche von der Post geholt. Ich sage: „Schön!“ Nein, das sei gar nicht schön, denn man müsse darauf Zinsen zahlen. 12 Prozent, die der Verkäufer zahlen müsse, der Kunde zahle nichts. Ich sage: „Das ist ja wunderbar!“, denn ich bin ja der Kunde. Aber nein, sagt der Verkäufer, das sei gar nicht wunderbar. Er hämmert wütend auf seiner Registrierkasse herum, die daraufhin einen vierstelligen Betrag anzeigt. „Durch das blöde Gequatsche habe ich mich jetzt auch noch vertippt!“ Er flucht und tippt und muss mehrere Bons drucken. Dann endlich kann er mir den Preis nennen. Ich bezahle und sage: „Hier, eben grade vom Automaten geholt.“ Der Verkäufer sagt „Schön!“ Ich sage: „Nein, gar nicht schön, denn ich musste Gebühren bezahlen, keine Ahnung, wieviel Prozent, darauf bleibe ich ganz allein sitzen und die Verkäufer merken gar nichts davon.“ Der Verkäufer sagt jetzt gar nichts mehr und ich laufe wütend aus dem Laden.

Schließlich wollen die Karten auch noch geschrieben sein. Dafür muss man erst mal wissen, an wen. Hat man das geklärt, bleibt das „Was“. Das bedeutet Inhalt. Martin Schulz sagt, der Wahlkampf der CDU sei inhaltsleer, weil sie nur Angela Merkel als einziges Thema hat. Er dagegen heiße Martin Schulz und das mache den Wahlkampf der SPD so interessant und vielfältig. Erinnert sich noch jemand an Rudolf Scharping? Es ist aber nicht nur die SPD, die keine populären Politiker mehr aufbieten kann. Populäre Politiker sind wie Maikäfer: Es gibt sie nicht mehr. Wie bei den Maikäfern stimmt das natürlich nicht. Vielmehr ist die Politik nicht mehr populär, was immer sehr gefährlich ist, weil dann nämlich Dunkelmänner in Hinterzimmern ihre undurchsichtigen Interessen verfolgen. Populär wird die Politik aber nicht durch interessante Themen und Inhalte, sondern dadurch, dass sich möglichst alle Menschen dafür interessieren und sie zu ihrer Sache machen. Das ist zwar anstrengend und manchmal auch umständlich, wäre aber demokratisch.

Aber zurück zum Inhalt der Postkarte. Er sollte doch eher unpolitisch sein, sonst wird es ja ein Flugblatt. Also: Mir geht es gut. Wie geht es dir? Das Wetter ist gut, es gibt ja zur Zeit viel schlechteres Wetter. Es ist schon spät, jetzt muss ich aber schließen. Gruß und Kuss, dein Julius.