Angefangen und nicht weitererzählt

Zurzeit bin ich nicht in der Lage, meine Ländereien im Laufschritt zu inspizieren, sondern muss das im normalen Fußgängertempo erledigen. Danach muss ich mich sofort hinlegen. Die Erschöpfung nach eineinhalb Stunden Fußmarsch ist grandios, aber der neue Schrittzähler jubiliert („Sie haben einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt!“). Ich konnte aber immerhin feststellen, dass meine alte Laufstrecke total zugewachsen ist. Offenbar läuft dort keiner lang, wenn ich es nicht mache. Ich hätte mir das auch denken können, denn ich bin dort niemals irgend jemandem begegnet. Nun ist es Gewissheit: Ich bin allein im Wald. Auch das Wetter der vergangenen Wochen hat Spuren hinterlassen. Bäume sind umgefallen und viel Wasser ist über die Wege gelaufen. Aber der Sommer ist ja noch nicht vorbei.

Die Sommerferien sind es mancherorts dagegen schon. Meine beiden Nichten müssen ab heute wieder in die Schule. Die ältere von beiden hat die Frage, ob sie sich darüber freue, mit „Ja“ beantwortet. Danach schwieg sie lange und fragte dann, ob ich jetzt mit dem Papa sprechen möchte. Ich kann beim besten Willen nicht mehr sagen, mit welchen Gefühlen ich nach den großen Ferien wieder in die Schule gegangen bin. Es roch dort nach Bohnerwachs. Ich musste alleine sitzen. Ich hatte eine rote Bestecktasche mit Aluminium-Besteck und H-Milch-Schlauch aus Plaste für das benutzte Besteck. In der Jungs-Umkleide zogen wir die kurzen Turnhosen über die lange Hose, die man danach unter der Turnhose ausziehen musste. Für die Tafel gab es riesengroße Lineale, Winkelmesser, Dreiecke und Zirkel. Die Lehrer sagten dazu „Demonstrationsmaterial“, obwohl sie es nie zum 1. Mai mitbrachten. Die zwei letzten Jahre war ich zum Schulanfang jedenfalls glücklich und aufgeregt, weil ich Simone wiedersehen würde. Aber das durfte keiner merken. Man musste cool sein. Ich ließ mir dunkle Sonnengläser in mein Brillengestell einsetzen. Sie waren natürlich nicht dunkel genug. Ich trug im Winter einen BW-Parka. Die Fahne hatte ich abgetrennt. (Oder stimmt das alles gar nicht? Wer könnte das heute noch wissen?)

Dieser Sommer ist noch lange nicht vorbei. Seine letzten Tage werde ich am Meer verbringen. Ich bin jetzt schon aufgeregt und glücklich bin ich sowieso. Soll ich mit dem „Roman“ weitermachen? Was passiert mit den Helden einer Geschichte, die angefangen wurde und nicht weitererzählt wird? Geht es ihnen wie uns? Kommen sie sich auch irgendwie verloren und vergessen vor? Und glauben sie auch ganz fest daran, dass die Geschichte irgendwann weitergeht und dass alles gut ausgeht?

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Weinfest

Früher hatten wir das Sommerloch. Das war eine Zeit, meistens im Sommer, in der es keine Nachrichten gab. Es passierte einfach nichts, weil alle, die etwas anstellen könnten im Urlaub waren. Inzwischen haben sich die, die etwas anstellen könnten einerseits vervielfacht und andererseits ihren Urlaub untereinander abgestimmt. Seehofer macht zum Beispiel in diesem Jahr und im nächsten gar keinen Urlaub, um in aller Ruhe etwas anstellen zu können. Gabriel ist überall erreichbar und kommt schnell zurück, um etwas anzustellen. Die anderen teilen mit, wo sie im Urlaub sind und stellen dort etwas an. So ist immer etwas los und die Zeitungen können weiter berichten. Das ist darum so wichtig, weil die Maschinen, die die Zeitungen drucken, nicht einfach abgeschaltet werden können. Das wäre viel zu teuer. Es wäre sogar billiger, wenn sie leere Zeitungen drucken würden, die dann sofort im Altpapier landeten. Beim Fernsehen arbeiten Moderatoren, bei denen das ähnlich ist. Sie zu beurlauben wären ökonomisch nicht sinnvoll, ja geradezu verwerflich. Darum würde man sie eher alte Nachrichten vorlesen oder einfach nur zwanzig Minuten in die Kamera lächeln lassen. Oder eben auch etwas kochen, wenn es denn sein muss.

Das gleiche Prinzip wird scheinbar auch auf Bundespräsidenten angewendet, wenn sie das Amt nicht mehr ausüben. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich hier aber um die durchaus notwendige Pflege einer Vision: Der erste Bürger im Staate bekommt ein Grundeinkommen. Es ist nicht ganz bedingungslos, man muss eine bestimmte Zeit im Amt gewesen sein. Das ist eine sehr abgeschwächte Form des bedingten Grundeinkommens nach Andre Gorsz. Da waren 20.000 Stunden fremdbestimmte Arbeit zu leisten. Man sollte jetzt also nicht überlegen, wie man den „Ehrensold“ wieder los wird, sondern wie er demokratischer werden kann. Vielleicht ist „Grundeinkommen“ inzwischen auch ein Reizwort und der „Ehrensold für alle“ wäre viel realistischer.

Man müsste sich nur noch darauf einigen, wofür man ihn bekommt, wenn man nicht Bundespräsident war oder wird. Und wofür man ihn nicht bekommt. Es gibt zweifellos viele Tätigkeiten, die sehr aufwendig und anstrengend, aber nicht unbedingt verdienstvoll sind. Sollten Fußballer einen Ehrensold bekommen? Oder Menschen, die Rasentraktoren und Freischneider bedienen? Ich möchte das nicht entscheiden. Wenn aber doch, dann würde ich ihn denen zusprechen, die das Sommerloch wieder einführen. Einen ganzen Sommer lang. Darüber hinaus ist Sommerloch übrigens ein kleiner Ort an der Nahe bei Bad Kreuznach in Rheinland Pfalz. Dort ist bald Weinfest – am 26. August.

Dem Tode geweiht

Früher habe ich mir viel Mühe mit der Fliegenabwehr gemacht. Ich habe vor jedes Fenster Fliegengitter geklebt und hatte für drinnen eine Klatsche. Das Problem mit der Klatsche war nur, dass sie nie da war, wo man sie gerade brauchte. Ich musste immer erst sehr lange suchen. Anschließend war die Fliege schon immer wieder woanders. Daher habe ich zum Glück nur wenige Fliegen totgeschlagen. Die Balkontür stellt immer wieder eine besondere Herausforderung für Fliegenabwehrmaßnahmen dar. Ich habe schon verschiedene Sachen ausprobiert und benutze in diesem Jahr wie auch schon im vergangenen so einen Vorhang aus vier Streifen, die unten beschwert sind. Man muss beim Anbringen schon sehr sorgfältig arbeiten, damit das Ding auch funktioniert. Über meinen Vorhang lachen sich die Fliegen jetzt bestenfalls tot. Manche fliegen auch einfach durch die scheunentorgroßen Lücken zwischen den Bahnen. Im vergangenen Jahr war ich viel in der Wohnung unterwegs, um die Eindringlinge auf die schon beschriebene Weise wieder zu entfernen.

In diesem Sommer bin ich nicht so beweglich und habe das Treiben der munteren Gesellen von meinem Krankenlager aus studiert. Man braucht sich nichts vorzumachen: es fliegen tatsächlich sehr viele Fliegen hinein. Wenn man dann aber einfach liegen bleibt und die Sache weiter beobachtet, passiert etwas völlig Unerwartetes. Die Fliegen fliegen irgendwann auch wieder hinaus! Voraussetzung ist natürlich, dass man zwischenzeitlich nicht alle Türen und Fenster zumacht oder mit Fliegengitter abklebt. Diese Beobachtung hat mich sehr froh gemacht. Das Leben kann so einfach sein. Wir neigen aus unerfindlichen Gründen dazu, es uns so schwer wie möglich zu machen, aber hin und wieder kriegt man einen Fingerzeig.

Es kann allerdings auch sein, dass meine Wohnung in dieser Hinsicht einen Sonderfall darstellt. Ich muss feststellen, dass noch keine einzige Fliege hereingekommen ist, während ich an diesem Text schreibe, obwohl Fenster und Türen fliegengitterfrei und weit geöffnet sind. Eine Fliege habe ich zwar gesehen. Das heißt, ich sehe sie immer noch. Sie liegt reglos auf dem Rücken auf dem Fensterbrett. Ich bin kein Entomologe, aber es könnte durchaus sein, dass das Tier dort verendet ist. Vielleicht ist meine Wohnung eine Insektenfalle? So wie hier keine Blumen überleben, fallen auch Fliegen tot von der Wand, sobald ich einen Raum betrete. Unter den Kerbtieren hat sich das schon irgendwie herumgesprochen, so dass sie meine Wohnung möglichst meiden. Verfliegt sich doch mal eines hinein, tut es gut daran, so schnell wie möglich wieder ins Freie zu gelangen. Wer es in Tagesfrist nicht schafft, ist dem Tode geweiht.

Die Flut

Das ganze Land versinkt im Regen. Niemand kann sich erinnern, jemals solch einen Regen erlebt zu haben. Ich selbst kann mich zwar nicht mehr an viel erinnern, aber an meine verregneten Sommerurlaube schon. In meiner Erinnerung gehört der Regen zum Sommer wie der Schnee zum Winter. Im Winter schneit es eben. Wenn nicht, war es kein richtiger Winter. So ist es auch mit dem Sommer. Aber diesmal ist etwas anders. Wir wohnen zu neunt in einem alten Wirtshaus in einer kleinen Stadt an der Ester. Wenn wir uns nicht gerade über die Köstlichkeiten hermachen, die Küche und Keller zu bieten haben, malen wir Bilder.

Nun wird zweifellos die Elster über die Ufer treten, die Stadt überfluten und uns in unserem Wirtshaus einschließen. Wir können nicht mehr hinaus. Der Not gehorchend bilden wir am Morgen, an dem wir des Unglücks gewahr werden einen Kreis, fassen uns an den Händen und verschwören uns zur ‚Gemeinschaft der Neun.‘ Wir brechen den Kontakt zur Außenwelt ab und versprechen, nur noch der Gemeinschaft zu leben, deren Bestimmung es ist, zu malen. An Leib und Seele leiden wir keine Not, denn wir haben genug zu essen und zu trinken und wir haben uns. Mit uns ist eine uralte Sumpfschildkröte in ihrem Aquarium im Wirtshaus eingeschlossen. Wir wählen sie zu unserer Anführerin. Jede Entscheidung der Gemeinschaft muss von der Schildkröte bestätigt werden. Wenn sie einverstanden ist, reckt sie ihren faltigen Kopf durch die Wasseroberfläche in die Luft und öffnet weit ihr Maul. Wenn nicht, bleibt sie unter Wasser. Als Erstes wird die Schildkröte zur Entscheidung über das WLAN des Wirtshauses und die Handys der Mitglieder befragt. Die Entscheidung der Gemeinschaft lautet, das WLAN abzuschalten und die Handys der Flut zu überantworten. Sollte das Reptil das bestätigen, kann ich auch keine Nachrichten mehr ins Internet senden. Ich habe dagegen gestimmt, aber abschalten wäre natürlich konsequent. Wir haben uns. Wir brauchen die Außenwelt nicht. Wir wollen malen. Wenn uns das Material ausgeht, wird uns schon einfallen, wie wir weitermachen können. Aber soweit ist es noch lange nicht. Nach einhundert Tagen hört der Regen auf und die Schildkröte will hinaus. Sie schwimmt davon und kehrt wieder zurück. Im Maul hat sie einen Ölzweig. Das Wasser läuft langsam ab.

Nach einhundert Jahren leben alle Menschen in Frieden. Ihr Mythos ist die große Flut und die Geschichte von der ‚Gemeinschaft der Neun‘. Ihr heiliges Buch ist eine Sammlung von Bildern, die ihnen immer neue Geschichten erzählen; Geschichten vom Leben, vom Licht und von der Liebe.

Sommermärchen

Krause war noch einmal davongekommen. Die Sache mit Peggie hätte ihm zwar fast den Verstand geraubt, aber irgendwie war es ihm gelungen, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Und dann traf er Billie. Billie war das komplette Gegenteil von Peggie und aus irgendeinem Grund, den er sich nicht erklären konnte, verliebte sie sich in ihn. Krause wusste natürlich inzwischen, dass es für das Verliebtsein keinen Grund brauchte, ja keinen geben konnte. Verliebtheit war eine Art Wahn, irrational und sich jeder Erklärung widersetzend. Mit „Wahn“ ist das Phänomen aber nur unzureichend bezeichnet, es ging außerdem noch mit einem schweren Rauschzustand einher. Wenn beides abklang, blieb ein übler Kater zurück.

Krause seinerseits war nun keineswegs in Billie verliebt. Früher hätte er dann vielleicht traurig geguckt und Billie weggeschickt. Oder er hätte sie gar nicht erst wahrgenommen. Jetzt aber, mit den Erfahrungen, die die dritte Lebenshälfte so mit sich brachte, sah Krause deutlich das Potential, das sich aus ihrer Verbindung ergeben würde. Wenn der Rausch nämlich bei Billie nachlassen und ihr so speiübel werden würde, dass sie keine Kraft mehr für ihre Beziehung aufbringen könnte, wäre Krause da und bereit, das wirkliche, echte Leben zu zweit zu meistern, das dann beginnen würde. Die meisten Beziehungen scheitern ja wohl an den Enttäuschungen, die der abklingende Wahn-Rausch der Verliebtheit zurücklässt. Noch lange bevor Billie von sich wusste, dass sie etwas Derartiges auch nur in Erwägung ziehen würde, schlug Krause ihr vor, zu heiraten. Da kannten sie sich vielleicht seit zwei Wochen und hatten sich auch noch nicht sehr oft getroffen. Aber Krause wollte auf keinen Fall noch mal erleben, dass eine, die sich für ihn interessierte wieder aus seinem Leben verschwand, als wäre sie nie da gewesen. Billie stimmte sofort zu. Krause stellte Billie seinen Eltern vor: „Das ist Billie. Wir wollen heiraten.“ Der Vater fragte, warum denn so plötzlich? Krause entgegnete, er sei jetzt fünfzig Jahre alt und hätte noch nie jemanden geheiratet. Von plötzlich könne da wohl keine Rede sein. Die Zeit wäre jetzt reif.

Sie heirateten am Johannistag. Und obwohl er es überhaupt nicht wollte, verliebte sich Krause dann doch noch in Billie und Billie hörte einfach nicht auf, in Krause verliebt zu sein. Mit der Hochzeit nahm er auch ihren Namen an, so dass sie jetzt beide Billie hießen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie noch heute verliebt ineinander.

Sommer

Das ist ja wohl nicht mehr normal, dass abends um neun noch die Sonne scheint. Ich konnte gestern gar nichts schreiben, weil sie mir so frech ins Gesicht geleuchtet hat. Es ist ein bisschen unverschämt, die Tage so lang zu machen, wenn es nicht mehr als sonst zu tun gibt. Mag sein, dass die Landwirte das anders sehen. Heute soll der Tag ja noch länger werden. Also kann ich auch gleich loslegen, wenn es hell wird. Ich hätte eine Menge aufzuschreiben, aber ich weiß nicht, was. Ich müsste auch viel lesen, 2 DVDs anschauen und ein Hörbuch zu Ende hören, das von Dirk Bach vorgelesen wird. Ich könnte das alles heute erledigen, denn heute ist der längste Tag des Jahres. Was ich heute nicht schaffe, schaffe ich auch an den anderen Tagen nicht.

Es ist doch ein Geschenk, dass es so einen langen Tag gibt. Oder eine Schweinerei. Dass es überhaupt Tag und Nacht gibt, ist doch an und für sich betrachtet recht sonderbar. Flöge man in einem Raumschiff durch das All, gäbe es das nicht. Aber wahrscheinlich geht das gar nicht. Es gibt so viele ungeklärte Fragen bei langen Weltraumreisen. Schon eine Reise zum Mars wird wahrscheinlich nicht stattfinden. Denn was sollen die Weltraumfahrer abends trinken, wenn es 1.) keinen Abend gibt und 2.) kein Hefeweizen? Es ist schwer vorstellbar, dass ein so großer Vorrat an Hefeweizen mitgeführt werden kann und es ist unmöglich, es unterwegs herzustellen. Die einzige Möglichkeit wäre so ein Instant-Pulver oder ein Tab, den man mit Wasser aufgießt. Aber wo soll das Wasser herkommen? Das will man irgendwann gar nicht mehr wissen.

Früher hätten wir gesagt: am 21.6. ist Sommeranfang. Jetzt ist schon gleich Mittsommer. Wenn die Mädchen in dieser Nacht sieben verschiedene Blumen von sieben verschieden Wiesen pflücken – haben sie einen kleinen Blumenstrauß. Wenn sie beim Pflücken allein sind und die ganze Zeit schweigen und dann die Blumen unter ihr Kopfkissen legen, träumen sie von dem Mann, den sie heiraten werden. Ich glaube nicht, dass dieser Brauch bei uns schon sehr verbreitet ist. Falls doch, würde ich es nicht erfahren, denn wenn die Mädchen davon erzählen, geht der Traum nicht in Erfüllung. Es kann also doch sein, dass die Mädchen seit Jahren in dieser Nacht von mir träumen und einfach nicht darüber sprechen. Irgendwann wollen sie mich dann alle heiraten. Das wird ein ganz großer Sommer!

400 Worte

Wenn man sich den Weihnachtstag als einen Punkt im Weltraum vorstellt, den die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne schneiden muss, dann liegt der Johannistag genau gegenüber. Es klingt unglaublich, aber in der nächsten Woche fliegen wir wieder an diesem Punkt vorüber. Ich erwähne es diesmal rechtzeitig, damit es nicht wieder heißt, niemand hätte etwas gesagt. Seit Ende Dezember sind wir so geflogen, dass die Tage länger und länger und die Nächte immer kürzer wurden. Jetzt fallen wir wieder zurück. Der Sommer kommt. Ich hätte nichts dagegen einzuwenden.

Der Sommer, liebe Kinder, das war früher eine Zeit, in der wir keine Jacken brauchten und immer kurze Hosen trugen. Die Mädchen hatten dünne, kurze Kleidchen an. Mit Blumen drauf. Die Sonne schien von morgens bis abends und manchmal war es so heiß und hell, dass man sich eine kühle und dunkle Höhle wünschte, in der man bis zum Abend bleiben könnte. Aber natürlich hat es auch geregnet. Hauptsächlich dann, wenn wir zelten waren. Wir bauten unser Zelt in der größten Hitze auf und dann ging es los. Es schüttete wie aus Eimern und hörte nicht mehr auf, bis wir mit dem Zelten fertig waren. Wir saßen drinnen und bewegten uns nicht. Man durfte die Zeltplane nicht berühren, sonst lief das Wasser rein. Wieso das so war, blieb ein Rätsel. Wir nahmen es einfach so hin. Wenn man Pech hatte, kam das Wasser auch von unten. Irgendwann war einfach alles nass und man war froh, wenn der Urlaub vorbei war und man wieder nach Hause fahren konnte. Auf der Rückfahrt war es dann wieder so heiß, dass man gerne und voller Sehnsucht an die Urlaubszeit zurückdachte.

Noch ist es zu früh, irgendwelche Prognosen über den Sommer abzugeben. Er mag heiß oder kalt, nass oder trocken werden. Auf jeden Fall werden die Nächte wieder länger. Auch dagegen hätte ich nichts. Tagsüber ist mit mir meistens sowieso nichts anzufangen. Nachts werde ich munter, gleich nach dem zu Bett gehen. Ich bin so voller Ideen und Tatendrang, dass ich mich kaum noch auf dem Lager halten kann. Aber es hilft ja nichts. Tag ist Tag und Nacht ist Nacht. Am Morgen tut mir dann der Körper weh, weil ich ihn so gewaltsam in die Matratze drücken musste. Wenn die Nächte wieder länger werden, muss ich vielleicht nicht mehr so zeitig ins Bett. Und wenn die Seite endlich voll ist, hat die liebe Seele Ruh.