Die Frage

Die Frage, warum wir noch keinen Zeitreisenden aus der Zukunft begegnet sind, dürfte seit dem 2.10.2017 als beantwortet gelten. An diesem Tag erschien in der amerikanischen Stadt Casper ein Mann, der aus dem Jahr 2048 stammte und uns vor einer außerirdischen Invasion waren sollte. Der Mann konnte nicht anständig befragt oder untersucht werden, weil er total betrunken war. Und da haben wir den Grund für das unbemerkt-Bleiben der Zeitreisenden: Zeitreisen können oder dürfen offenbar nur im Zustand der Volltrunkenheit durchgeführt werden. Am Ankunftstag glaubt ihnen dann keiner und am nächsten Tag glauben es die Reisenden selbst nicht mehr, wenn sie sich überhaupt noch an etwas erinnern. Die Tarnung ist perfekt. Diesmal ist nur insofern etwas schief gegangen, als dass der Mann ein Jahr zu weit gereist ist. Er sollte eigentlich 2018 ankommen. Dass ist deswegen blöd, weil es in diesem Jahr eben noch keinen „Präsidenten“ in Casper gibt, mit dem er dringend sprechen wollte. Nächstes Jahr wird dieser „Präsident“ zwar da sein, dürfte aber vergeblich auf den Botschafter aus der Zukunft warten und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Genau genommen gibt es ja keine Trennung zwischen den Ereignissen diesen Jahres und denen, die 2018 oder meinetwegen 2048 auf uns zukommen. Wenn man sich die Zeit wegdenkt. Und genau das können unsere Gehirne eben nicht, weil die Zeit, was immer sie auch sei, dort eingebaut ist. Es wäre aber auch zu verwirrend, wenn alles vom Big Bang bis zum Big Crunch quasi „gleichzeitig“ passiert. Das wäre ein ganz schönes Durcheinander! Damit wir das nicht erleben müssen, haben wir eben diese Gehirne bekommen, die uns schön eins nach dem anderen vorführen. Es kann gut sein, dass eine Überdosis Alkohol diese Funktion abschaltet, wodurch man sozusagen aus der Zeit katapultiert wird. Es hängt wahrscheinlich von der genauen Dosierung ab, wann genau die Zeit wieder einsetzt.

Etwas ähnliches kann natürlich auch durch eine starke Gehirnerschütterung passieren. Darum ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich eigentlich aus der Zukunft komme und dort dermaßen durchgeschüttelt wurde, dass ich genau auf dem 1. Juli 2017 gelandet bin. Das war natürlich nicht geplant und aus welchem Jahr ich genau komme, wer ich in meiner Zeit war und wohin ich unterwegs war, werde ich wohl nicht mehr herausfinden. Ein Hinweis könnte die Gitarre sein, die ganz und gar unversehrt bei mir gefunden wurde. Eine Gitarre und ein Heft mit Texten.

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Zeitreisenverweigerer

Zeitreisen sind möglich. Man sieht es an den ganzen Doku-Sendungen, vor allem im ZDF. Das ZDF hat definitiv eine Zeitmaschine, mit der sie herumreisen und diese tollen Aufnahmen machen. Ob Luther, Columbus oder Jesus. Das ZDF war überall dabei und wir können es jetzt im Fernsehen anschauen. Der zweite Beweis für Zeitreisen sind unsere Tageszeitungen. Kein Journalisten-Team der Welt könnte sich so einen Schwachsinn ausdenken. Alle Zeitungsredaktionen haben eine Zeitmaschine und reisen damit jeden Tag genau einen Tag in die Zukunft. Dort kaufen sie eine Zeitung, reisen zurück und schreiben alles ab. Am nächsten Tag erscheint die Zeitung dann und wir lesen und staunen, was wieder alles in der Welt passiert ist.

Für mich wäre die Zeitmaschinenreiserei nichts. Darum konnte ich auch nicht Journalist werden. Viele Journalisten wissen aber auch gar nicht, was sie sich antun. Manche werden verrückt. Ob Guido Knopp schon immer so war, wie er jetzt ist oder erst durch die Zeitreisen so geworden ist, lässt sich nicht entscheiden, wenn man Zeitreisenverweigerer ist. Aber Knopp ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Unter ihm arbeiten ja viele andere Menschen, Kameramänner, Beleuchter und Maskenbildner, die alle diese gefährlichen Zeitreisen machen müssen. Wenn sie mal frei haben, wissen sie manchmal nicht mehr, in welcher Zeit sie gerade sind und halten ihre Freundin für Jeanne d’Arc oder ihren Mann für Otto Lilienthal. Die, die in der Zukunft die Zeitungen aufkaufen, kommen manchmal mit den Tagen durcheinander. Dann wollen sie Zahnarzttermine wahrnehmen, die erst am nächsten Tag sind, weil sie gerade dort waren, aber jetzt wieder einen Tag davor sind. Das macht auf die Dauer die Birne weich und kratzt am Selbstwertgefühl.

Wenn ich schon eine Zeitmaschine hätte, würde ich immer genau bis zum nächsten Urlaub reisen. Am Ende des Urlaubs dann weiter zum nächsten. So hätte ich immer Urlaub und müsste nicht mehr arbeiten. Blöd wäre nur, wenn die Gefahr besteht, dass ich mir selbst in diesen Urlauben begegne, denn das ist bei Zeitreisen streng verboten. Vielleicht würde ich mich auch sehen, wie ich gar keinen Urlaub mehr machen kann, weil ich entlassen wurde, weil ich nicht mehr auf Arbeit erschienen bin. Dann wäre auch kein Geld mehr auf meinem Konto und ich könnte die Stromrechnung für die Zeitmaschine nicht bezahlen und säße für immer in der falschen Zeit fest. Das wäre erst richtig blöd. Darum sind Zeitreisen nämlich verboten und die Zeitungen und das ZDF sollen sich mal nicht erwischen lassen.